08.07.2019

Hiegelsberger zu Glyphosat-Totalverbot: Es ist die Zeit der kollektiven Unvernunft

Bei der Nationalratssitzung am 2. Juli 2019 wurde dem SPÖ-Antrag für ein nationales Verbot des Wirkstoffs Glyphosat mehrheitlich zugestimmt. „Derzeit sieht es so aus, dass durch das ‚freie Spiel der Kräfte‘ im österreichischen Parlament vieles möglich ist, so eben auch ein bundesweites Glyphosat-Verbot“, betont Max Hiegelsberger, Obmann des OÖ Bauernbundes, und setzt fort: „Die ÖVP hat sich als einzige Partei für ein Teilverbot ausgesprochen. Ihr Antrag sah vor, die private Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich, aber auch bei Schulen und Kindergärten sowie anderen sensiblen Gebieten zu untersagen. Die sachgerechte Anwendung in der Landwirtschaft durch fachlich ausgebildete Bäuerinnen und Bauern wäre davon nicht betroffen gewesen, denn um Pflanzenschutzmittel ausbringen zu dürfen, muss diese Berufsgruppe eine Ausbildung zur Erlangung eines sogenannten ‚Pflanzenschutz-Sachkundenachweises‘ absolvieren. Die Zustimmung der FPÖ - als ehemaliger Regierungspartner - für ein Totalverbot zeigt wieder einmal, dass sich die Freiheitlichen gegen die bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich stellen und zugesagte Vereinbarungen nicht einhalten.“

Bedeutung für heimische Landwirtschaft

„Das generelle Glyphosat-Verbot hat den Ausverkauf der heimischen Landwirtschaft zur Folge, denn sie erleidet dadurch einen immensen Wettbewerbsnachteil“, verweist Hiegelsberger auf jene Hunderte Studien, die belegen, dass von dem Präparat keine krebserregende Wirkung für den menschlichen Organismus ausgeht. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit bei sachgerechter Anwendung wird auch von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sowie zahlreichen Experten der Risikobewertungsbehörden der EU-Mitgliedstaaten bestätigt.

„In Österreich wird Glyphosat auf weniger als 1% der Ackerfläche eingesetzt. Außerdem wurde der Wirkstoff in keinem heimischen Erntegut festgestellt, da die Sikkation von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen bei uns verboten ist“, zeigt der Bauernbund-Obmann auf. Für die Landwirtschaft entstehen durch das Generalverbot jedoch höhere Kosten für teurere Ersatzprodukte, die den Bauern aber niemand rückerstattet.

Pflanzenbauexperten befürchten darüber hinaus die Reduktion der Mulch- und Direktsaat sowie der Begrünungen und damit einhergehend den Verlust des Erosionsschutzes. „Der Schutz der Böden vor Erosion sowie die Förderung der Mulch- und Direktsaat ist für die Aufrechterhaltung eines fruchtbaren, lebendigen Bodens wichtig. Ein gesunder Boden ist auch für einen effektiven Hochwasserschutz unerlässlich. Für unsere Bauern wird dieses Verbot eine Reihe von Nachteilen bringen und eine Wettbewerbsverzerrung bedeuten“, betont Hiegelsberger.

Nicht mit EU-Gesetz rechtskonform

„Da das heimische Totalverbot mit dem EU-Recht nicht vereinbar ist, gehen wir davon aus, dass es auf nationaler Ebene kaum zu einem Totalverbot von Glyphosat kommen dürfte“, unterstrich Hiegelsberger mit Verweis auf das Ergebnis der von Boku und AGES erarbeiteten nationalen Machbarkeitsstudie, die auf Basis eines Entschließungsantrages im Nationalrat zum möglichen Ausstieg von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln zu Wochenbeginn im Parlament präsentiert wurde. Die EU-Kommission hatte zuletzt im Dezember 2017 einer Verlängerung der Genehmigung des Wirkstoffes bis Ende 2022 zugestimmt. (aiz)