05.11.2020

Bayer: Agrarsparte im dritten Quartal deutlich belastet

Von einem herausfordernden dritten Quartal im Agrargeschäft (Crop Science) der Bayer AG sprach Wolfgang Nickl, Finanzvorstand des Unternehmens, bei der Präsentation der Geschäftszahlen für die Monate Juli bis September 2020. „Die Auswirkungen der Pandemie verstärken die Belastungen für unsere Division Crop Science. Hinzu kommen negative Währungseffekte, wie die massive Abwertung des brasilianischen Real, die das Geschäft im zweitgrößten Agrarmarkt der Welt deutlich belasten“, sagte Nickl.

Konkret verringerte sich der Umsatz in der Agrarsparte von Bayer währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 11,6% auf 3,028 Mrd. Euro. Hiervon war insbesondere die Region Nordamerika betroffen, während hingegen in Asien/Pazifik die Division den Umsatz steigerte. Im Bereich Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften war das globale Geschäft wpb. um 39,9% rückläufig. Insbesondere in Nordamerika sank laut dem Unternehmen der Umsatz durch höhere Retouren und gesunkene Lizenzeinnahmen erheblich, da die Anbauflächen für Mais in diesem Jahr geringer ausfielen als geplant. Bei Herbiziden ergab sich im Vergleich zum starken Vorjahresquartal wpb. ein Umsatzrückgang von 12,7%, vor allem in Nordamerika, wo sich im Vorjahr aufgrund von extremen Wetterbedingungen im ersten Halbjahr Umsätze ins dritte Quartal verschoben hatten. Im Bereich Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften blieb der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres (wpb. +0,2%). Ein Zuwachs in Lateinamerika konnte den Absatzrückgang in Nordamerika ausgleichen. Bei den Fungiziden stieg der Umsatz wpb. um 12%. Zuwächse gab es hier in allen Regionen.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibung) von Crop Science belief sich auf -34 Mio. Euro (Vorjahr: +500 Mio. Euro). Das Ergebnis begründet Bayer in erster Linie mit dem Umsatzrückgang in Nordamerika und hier vor allem aufgrund der negativen Retourenbilanz. Ein negativer Währungseffekt von 123 Mio. Euro belastete zusätzlich.

Glyphosat: Rückstellungen wurden erhöht

Im Zusammenhang mit glyphosatbasierten Roundup-Produkten hat das Unternehmen nach eigenen Angaben zu etwa 88.500 Klagen verbindliche Vergleichsvereinbarungen abgeschlossen und ist derzeit dabei, diese abzuschließen oder hat sich bisher dem Grund nach geeinigt. Ende Juni hatte Bayer von etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen berichtet, wobei diese Zahl bis zum Abschluss der Vergleiche nicht fix sein wird - angesichts von Unsicherheiten in puncto Berechtigung und Teilnahme. Mit Blick auf mögliche künftige Roundup-Klagen arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit den Klägeranwälten weiter an einem konstruktiven Vorschlag, um die Kritikpunkte des Gerichts zur Zufriedenheit aller Parteien zu lösen. Obwohl Fortschritte erzielt wurden, wird dieser Prozess mehr Zeit brauchen. Im dritten Quartal hat Bayer zusätzliche Rückstellungen für die Lösung möglicher künftiger Klagen gebildet. Es ist absehbar, dass das neue Konzept etwa 2 Mrd. USD kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Mrd. USD. Nach Abschluss der formellen Vereinbarung wird das Unternehmen einen Antrag auf vorläufige Genehmigung einreichen. (aiz)