13.10.2020

Innovation Farm: Experten präsentieren agrarische Zukunftsprojekte

Anfang der Woche fand der „Innovation Farm Partner Day“ als Online-Veranstaltung statt. Es wurden zahlreiche Projekte vorgestellt, in denen der Einsatz der Digitalisierung in der Landwirtschaft in der Praxis erprobt wird. „Auch im Agrarbereich ist das Arbeiten ohne elektronische Steuerungen und ohne Internet kaum mehr vorstellbar. Die Digitalisierung bietet Chancen entlang der gesamten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Sie soll aber vor allem ein Ziel haben, nämlich den Bäuerinnen und Bauern das Leben zu erleichtern“, stellte Bundesministerin Elisabeth Köstinger bei der Podiumsdiskussion fest. Ähnlich äußerte sich Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie muss für den einzelnen Betrieb, egal ob groß oder klein, einen praktischen Nutzen haben.“

Neue Technologien in der Praxis begreifbar machen

Die Innovation Farm ist Teil des vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus geförderten Clusters „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ mit österreichweit insgesamt 23 Partnern. In diesem Cluster ist das Wissen der wichtigsten Akteure im Bereich Digitalisierung (Forschungseinrichtungen, Interessenvertretungen, Bildungseinrichtungen, Landtechnik- und Stallbaufirmen, etc.) gebündelt. Mit insgesamt 1,9 Mio. Euro an EU-, Bundes- und Ländermitteln werden seit Jänner 2020 in den nächsten drei Jahren verschiedene Projekte unterstützt. Die Innovation Farm gilt dabei als Vorzeigeprojekt, ihre Aufgabe ist es, neue Technologien für die Bäuerinnen und Bauern in der Praxis erlebbar zu machen.

Im Rahmen der Innovation Farm werden an drei Standorten in Österreich (Wieselburg, Raumberg-Gumpenstein, Mold) sowie auf etwa 20 Pilot- und Demonstrationsbetrieben ausgewählte neue digitale Technologien, Trends und Entwicklungen im Ackerbau, im Grünland und in der Innenwirtschaft erprobt, demonstriert und damit greifbar und anwendbar gemacht. Durch Einbindung der Aus- und Weiterbildung sowie der Beratungsarbeit wird das generierte Wissen schnell in die Praxis gebracht, damit können umgehend Kompetenzen für den Einsatz verschiedener Technologien aufgebaut werden. Bei „Innovation Days“ und Besuchen vor Ort können sich die Bäuerinnen und Bauern, Berater, Lehrer oder auch Schülerinnen und Schüler direkt ein Bild vom Einsatz der innovativen Technik machen. Ziel ist es, die Informationen für landwirtschaftliche Betriebe bedarfsgerecht aufzubereiten und den Zugang zu neuen Informationen zu erleichtern.

Beim „Innovation Farm Partner Day“ wurden kürzlich beispielhafte Projekte vorgestellt. Dabei ging es um Maisaussaat mit satellitengestützten Applikationskarten, den Drillmaschinen-Abdrehprozess via Smartphone, teilflächenspezifische Düngung, bedarfsgerechte Pflanzenernährung anhand von Sensordaten, aber auch um die Wildtierrettung mittels Sensoren (Warnsignal zur Vermeidung von Mähtod). Ebenso wurden digitale Anwendungen im Fütterungsmanagement (automatisierter Futternachschub) und im Bereich der Tierhaltung und Tiergesundheit (Meldung von Abkalbungen mittels moderner Sensortechnik) präsentiert.

Chancen für klima- und tierfreundliche Bewirtschaftung nutzen

„Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Potenziale heben zu können, ist der gezielte Einsatz neuer Technologien in der Land- und Forstwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Die Innovation Farm hilft dabei, Technologien und Trends im Ackerbau, Grünland und in der Innenwirtschaft zu veranschaulichen. Damit schaffen wir es auch, dass die neuen Technologien schneller akzeptiert und in der Praxis eingesetzt werden“, betonte Köstinger nach der Projektpräsentation. Die Digitalisierung biete auch neue Chancen für die umwelt-, klima- und tierfreundliche Bewirtschaftung, diese gelte es zu nutzen.

„Meine Vision ist, dass jeder bäuerliche Betrieb neue Technologien nutzen kann, die für ihn passen und die nicht nur die Wertschöpfung am Hof steigern, sondern auch die Lebensqualität verbessern“, erklärte Köstinger. In diesem Zusammenhang sei der Breitbandausbau in ländlichen Regionen besonders wichtig, sie habe in ihrem Ressort dazu bereits wichtige Schritte gesetzt, so die Ministerin.

 Digitalisierungskompetenz in den Schulen erhöhen

„Durch die Digitalisierung kann nicht nur die Arbeit erleichtert werden, auch Ressourcen können geschont und die Effizienz verbessert werden“, stellte Pernkopf fest. Das Land Niederösterreich unterstütze verschiedene Projekte im Bereich der Digitalisierung, wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Investitionsförderung. „Das Know-how und die Ausbildung der Betriebsführer wird bei der Nutzung neuer Technologien in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Das Ziel ist es daher, die Digitalisierungskompetenz in der Ausbildung weiter zu erhöhen. Unsere jungen Bäuerinnen und Bauern sind aber jetzt schon topmotiviert und äußerst innovativ“, sagte Pernkopf.

Investitionsentscheidungen erleichtern

„Die Digitalisierung ist eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien dieses Jahrhunderts. Die Innovation Farm kann dabei für die bäuerlichen Betriebe ein Akzeptanztreiber sein“, erklärte Markus Baldinger vom oberösterreichischen Landtechnik-Unternehmen Pöttinger. Wichtig sei in diesem Zusammenhang immer der Kundennutzen.

Der steirische Landwirt Peter Haring nutzt auf seinem Ackerbau- und Milchviehbetrieb bereits neue Technologien - vom Traktor mit GPS-Lenksystem und dem automatisierten Futternachschub bis zur sensorbasierten Brunsterkennung im Stall. „Digitalisierung kann unsere Arbeit erleichtern, die Investitionen in diese Systeme müssen aber gut überlegt sein. Die Innovation Farm kann uns diesbezügliche Entscheidungen durch Vergleichstests und praxisnahe Auswertungen erleichtern“, so Haring.

Jüngere Betriebsführer wollen eher in neue Technologien investieren

Aus einer KeyQUEST-Umfrage vom Oktober 2018 geht hervor, dass die heimischen Landwirte die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung neutral bis leicht positiv sehen. Ein Drittel sieht überwiegend Vorteile, während bei 23% negative Aspekte dominieren. Rund ein Viertel der Landwirte gab an, in den nächsten fünf Jahren „wahrscheinlich in moderne Technologien zur Automatisierung und Digitalisierung investieren“ zu wollen. Je jünger der Betriebsführer und je größer der Betrieb ist, desto eher möchte man investieren. Nähere Informationen zu diesem Thema sind hier verfügbar. (aiz)