06.10.2020

Neue Anbauzeiten für Braugerste zeigen in Niederösterreich erste Erfolge

Die heimische Brauindustrie benötigt jedes Jahr 220.000 Tonnen Braugerste, die auf einer Fläche von rund 50.000 Hektar, großteils in Niederösterreich, angebaut wird. „Hitze und Trockenheit haben in den letzten Jahren der Sommergerste massiv zugesetzt. Die Anbaufläche sank auf ein historisches Tief von nur mehr 31.000 Hektar. Somit waren Importe notwendig und es mussten Alternativen gefunden werden, um österreichisches Malz für das heimische Bier sicherzustellen“, teilt Harald Schally, Pflanzenbau-Experte der NÖ Landwirtschaftskammer, dem NÖ Wirtschaftspressedienst mit.

Bereits vor Jahren hat sich in Niederösterreich die Winterbraugerste etabliert. Sie wird im Herbst angebaut und kann somit die Feuchtigkeit im Winter gut nutzen. Anfangs von der Brauindustrie mit Skepsis gesehen, entwickelte sich der Anbau der Winterbraugerste zu einer Erfolgsgeschichte. Ihre Flächen steigen von Jahr zu Jahr. Derzeit wird sie schon auf mehr als 11.000 Hektar angebaut.

Den Erfolg der Winterbraugerste im Auge, will die Branche auch die Anbauzeit der Sommergerste verlegen. „Zuletzt hat man sich versuchsweise auf eher bescheidenen Flächen mit dem Anbau von Sommerbraugerste im Herbst beschäftigt“, sagt Harald Schally. Erste Erfahrungen in den letzten zwei Jahren seien bereits positiv ausgefallen. „Heuer kommen etwa 8.000 Tonnen, die Ernte von rund 1.500 Hektar Herbstanbau-Sommergerste, zum Verkauf“, unterstreicht der Pflanzenbau-Fachmann. Für 100 Liter Bier braucht man rund 20 Kilo Braugerste. Somit benötigt man rund 100 Gramm Braugerste für eine Halbe Bier.

Der Herbstanbau von Sommerbraugerste und der Anbau der Winterbraugerste ermöglichen der Landwirtschaft höhere und stabilere Erträge. Und die Industrie bekommt eine entsprechende Versorgungs- und Verarbeitungssicherheit. Eine Unbekannte freilich bleibt für den Herbstanbau die Frosthärte der gängigen Braugerstensorten. Da die letzten Winter sehr mild ausgefallen sind, fehlt hier eine aussagekräftige Einstufung. (nö wpd)