21.09.2020

Köstinger: Pakt zur Rettung des Zuckerstandortes Österreich geschlossen

Seit einigen Wochen steht die Schließung der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf, NÖ, im Raum. Die heimische Zucker- und Rübenproduktion wäre mit dieser Schließung in akuter Gefahr. Deshalb hat Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger vor zwei Wochen alle Beteiligten an einen Tisch geholt, um Lösungswege zur Rettung der heimischen Zuckerproduktion zu diskutieren. Heute sind bei einem zweiten Gipfelgespräch mehrere Vereinbarungen und Unterstützungsmaßnahmen getroffen und im „Pakt zur Rettung des heimischen Zuckers“ festgeschrieben worden. „Wir wollen die Versorgung mit Zucker aus heimischer Produktion sichern. Das ist unser oberstes Ziel und dies soll unseren Rübenbauern eine zukunftsfähige Perspektive geben. Mit dem heute geschlossenen Pakt bekennen sich alle Beteiligten zu diesem gemeinsamen Ziel“, erklärte Köstinger.

An erster Stelle in diesem Pakt steht eine Unterstützung für die Rübenbauern: Der erhöhte Aufwand für die Gesunderhaltung der Rübenflächen nach dem Wiederanbau soll mit einem Betrag von 250 Euro pro Hektar nachgebauter Fläche bezuschusst werden. Die Kosten dafür teilen sich der Bund und die betroffenen Bundesländer. Eine Notfallzulassung von Neonicotinoid-haltigen Pflanzenschutzmitteln für die Saatgut-Beizung soll weiterhin möglich sein, und zwar auf Basis einer wissenschaftlichen Prüfung durch das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) und des begleitenden Bienen-Monitorings. Weiters vorgesehen ist die Fortführung und Intensivierung der Forschungsaktivitäten in diesem Bereich mit einer Gesamtdotation von 1 Mio. Euro, damit Ergebnisse rasch für die Praxis zur Verfügung stehen.

Bekenntnis zur Absicherung der heimischen Rübenproduktion

Die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Burgenland und Wien bekennen sich im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereiches zur Absicherung der Rübenproduktion. Sie beteiligen sich darüber hinaus finanziell an der Umsetzung des Maßnahmenpakets, insbesondere an der vorgesehenen Deminimis-Regelung.

Die österreichischen Rübenbauern und die Landwirtschaftskammern erstellen ein Argumentarium „pro Rübenanbau“ und starten eine Informationskampagne über alle zur Verfügung stehenden Kanäle und unter Einbeziehung relevanter Partner. Ziel ist es, ein positives Signal an die Rübenbauern zu senden, um diese verstärkt für den Zuckerrübenanbau zu gewinnen. In diesem Zusammenhang soll auch die Beratung und Betreuung in allen fachlichen sowie administrativen Belangen verstärkt werden.

Agrana bekennt sich zu Weiterführung der Abnahmeverträge

Die Agrana, die die zwei Zuckerfabriken in Österreich betreibt, bekennt sich zur Weiterführung der Abnahmeverträge mit den Rübenbäuerinnen und Rübenbauern und unterstützt diese bei der Bereitstellung von geeignetem Saatgut. Sie übernimmt auch die Kosten für das Saatgut beim Wiederanbau. Die Agrana garantiert der österreichischen Bevölkerung die Produktion und Versorgung mit heimischem Zucker.

Die richtigen Weichen gestellt

„Nur wenn wir an einem Strang ziehen, können wir die Produktion im Land sichern und Österreich zu 100% mit Zucker aus heimischen Rüben versorgen. Dieser Pakt ist die Basis dafür“, erklärte Köstinger nach dem Gipfelgespräch.

„Mit dem ‚Pakt zur Rettung des heimischen Zuckers‘ sind die richtigen Weichen gestellt. Vor allem das Bekenntnis zum Pflanzenschutz ist eines der wichtigsten Werkzeuge für unsere Bauern. Zusätzlich werden wir den Rübenbau aktiv und attraktiv kommunizieren, damit wir das Ziel von 38.000 ha Anbaufläche erreichen“, stellte Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger fest.

„Ich bin dankbar, dass wir heute diesen Pakt geschlossen haben. Bund und Länder helfen mit, die Zuckerproduktion in Österreich aufrechtzuerhalten. Das ist ein wichtiges Signal für den Rübenanbau und die Mitarbeiter. Jetzt geht es um die Umsetzung des Pakets, wir werden unseren Teil dazu beitragen“, bekräftigte Agrana- Vorstandsvorsitzender Johann Marihart.

Pernkopf: Wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit

„Danke an Bundesministerin Köstinger für die Gipfel-Initiative. Wenn der Rohstoff fehlt, braucht man auch keine Zuckerfabrik und das geht auch auf Kosten der Arbeitsplätze. Unsere Bäuerinnen und Bauern wollen Rüben anbauen, sie brauchen dafür aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen. Mit dem heute geschlossenen Pakt haben wir die richtigen Maßnahmen definiert, um Risiken zu minimieren und den Rübenanbau attraktiver zu gestalten“, unterstrich Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. „Die heutige Einigung ist auch ein Bekenntnis zur Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln und zu heimischen Arbeitsplätzen in unseren Regionen. Jetzt geht es um die Umsetzung“, so Pernkopf. (aiz)