04.11.2019

LK OÖ fordert Verzicht auf Billigimporte von Rindfleisch und Butter

„Aufgrund der andauernden politischen Hängepartie um den Brexit stehen die EU-Rindfleischpreise seit Monaten massiv unter Druck. Irland sucht als bisheriger Hauptlieferant für Rindfleisch nach Großbritannien dringend neue Absatzschienen am EU-Binnenmarkt, um sich so auf einen möglichen harten Brexit und die daraus resultierende Kappung von Handelsbeziehungen nach Großbritannien bestmöglich vorzubereiten. Dass nun ausgerechnet in dieser sensiblen Phase mehrere heimische Handelsketten mit Billig-Rindfleisch aus Südamerika werben, ist gegenüber den heimischen Rinderbauern schlichtweg verantwortungslos und auch klimapolitisch äußert kontraproduktiv“, kritisiert Oberösterreichs Landwirtschaftskammer (LK)-Präsidentin Michaela Langer-Weninger die Verantwortungsträger im Lebensmitteleinzelhandel scharf. Auch Billigimporte bei Butter im Rahmen mehrerer Handelsmarken sorgen aktuell für Aufregung bei den Milchbauern.

Klimapolitische Verantwortungslosigkeit des Handels

„Die Rindfleischproduktion in Südamerika erfolgt völlig anders als bei uns in Österreich. Während die heimischen Bäuerinnen und Bauern immer stärker auf Qualitätsprogramme mit extensiven Produktionssystemen auf Basis des Grünlandes setzen, um damit auch die Konsumentenerwartungen zu treffen, erfolgt die Endmast von Rindern in Südamerika in sogenannten 'Feedlots' mit riesigen Herden auf engstem Raum mit reinen Kraftfutter- bzw. Getreiderationen“, so die LK-Präsidentin.

„Die beiden Produktionssysteme unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Klimaauswirkungen massiv. Während die Erzeugung von heimischem Rindfleisch 14 kg CO2 verursacht, ist dieses Produkt aus Südamerika mit etwa 80 kg CO2 belastet. Gleichzeitig ist daran zu erinnern, dass die Wiederkäuermägen von Rindern, Schafen und Ziegen die einzige Verwertungsmöglichkeit für das heimische Grünland und den Schutz von dessen darauf befindlicher Biodiversität darstellen. Mit den laufenden Rabattaktionen zugunsten von südamerikanischem Rindfleisch agieren die betroffenen Handelsketten nicht nur gegen die Interessen der heimischen Bäuerinnen und Bauern, sondern auch gegen den Klimaschutz und den Erhalt der Kulturlandschaft in unseren Bergregionen. Das Gleiche gilt derzeit beim Verkauf ausländischer Billigbutter im Rahmen verschiedener Handelsmarken, wo die Herkunft des Rohstoffs für die Konsumenten auf den ersten Blick meist gar nicht sichtbar ist. Ich fordere daher die Verantwortungsträger auf, künftig im Sinne von Bauern, Konsumenten und Klimaschutz auf Rabattaktionen im Zusammenhang mit dem Billigimport von Rindfleisch oder Butter gänzlich zu verzichten“ so Langer-Weninger. (aiz)