07.10.2019

ÖAMTC: CO2-Reduktion durch verantwortungsvollen Einsatz alternativer Kraftstoffe

„Es steht außer Zweifel, dass der Verkehr beim Erreichen des österreichischen CO2-Reduktionsziels von 36% seinen Beitrag leisten wird. Verbote und Steuererhöhungen sind allerdings nicht der richtige Weg“, stellte heute Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung, bei einem Pressegespräch in Wien fest. „Besser wäre es, wenn über eine verantwortungsvolle Erhöhung der Beimengung alternativer Kraftstoffe auch Bestandsfahrzeuge weniger fossiles CO2 erzeugen. Damit wäre nicht nur der Umwelt gedient“, so Wiesinger.

„Die Mobilitätswende ist auch eine Frage der sozialen Inklusion und nicht ausschließlich ein Technik- oder Umweltthema, denn derzeit kann sich ein Gutteil der Konsumenten keinen Neuwagen mit alternativem Antrieb leisten“, betonte Wiesinger. Fast die Hälfte des österreichischen Pkw-Bestandes sei vor 2010 erstzugelassen worden, fast 70% der Pkw-Flotte seien unter 10.000 Euro wert. Allein daran zeige sich die massive soziale Dimension dieser Fragestellung. „Maßnahmen zum Klimaschutz dürfen nicht auf dem Rücken der sozial Schwachen umgesetzt werden. Es muss auch das soziale Klima geschützt werden, weshalb wir uns gemeinsam für den verantwortungsvollen Einsatz von alternativen Kraftstoffen stark machen. Dies wäre eine sozial gerechte wie auch nachhaltige Umweltschutzmaßnahme“, ergänzte Sebastian Obrecht, Sprecher des Mobilitätsklubs ARBÖ.

Zielpfad führt zu zusätzlicher CO2-Einsparung von 1,2 bis 1,5 Mio. t

Kernstück einer Studie, die die Österreichische Energieagentur im Auftrag des ÖAMTC durchgeführt hat, ist ein Zielpfad aus sieben kurz- oder mittelfristig umsetzbaren Maßnahmen, deren Verwirklichung eine zusätzliche Einsparung von 1,2 bis 1,5 Mio. t CO2 pro Jahr ermöglicht. „Damit würde der Verkehr seinen Ausstoß an fossilem CO2 im Jahre 2030 um weitere 5 bis 6,5% reduzieren“, führt der ÖAMTC-Experte aus.

Konkret wird vorgeschlagen, künftig keinen Diesel mehr ohne Bioanteil zu verkaufen, den Bioethanol-Anteil bei Benzin von 5 auf 10% zu erhöhen (E10), Biokraftstoffe bei den Flottenzielen zu berücksichtigen, Anreize für die Reinverwendung von Bio-Diesel in geschlossenen Flotten zu schaffen, dem Diesel künftig einen geringen Anteil an palmöl-freiem HVO (hydrierte Pflanzenöle) beizumengen, Forschung im Bereich der neuen alternativen Kraftstoffe zu fördern und den nationalen und europäischen Rechtsrahmen deren vermehrten Einsatz zu öffnen.

Emissionsstrategie muss auch alternative Kraftstoffe berücksichtigen

„Der Verkehr ist für 29% aller Treibhausgasemissionen in Österreich verantwortlich. Das Erreichen der ambitionierten nationalen und internationalen Klimaziele setzt eine Mobilitätswende voraus, die alle Optionen - antriebstechnisch- und kraftstoffseitig - kombinieren muss. Eine Strategie zur spürbaren, schnellen und nachhaltigen Emissionsreduktion muss daher auch alternative Kraftstoffe berücksichtigen“, unterstrich Peter Traupmann, Geschäftsführer der Energieagentur.

Besonderer Wert wurde bei dieser Studie auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt. „Selbstverständlich muss sichergestellt sein, dass für die Herstellung von Bioethanol weder Nahrungsmittelanbau verdrängt noch Futtermittel verknappt werden und für die Herstellung von HVO kein Palmöl verwendet wird“, so Wiesinger. Im Produktionsprozess des Projektpartners Agrana werden parallel zum Bioethanol Eiweißfuttermittel erzeugt, wodurch teure Sojaimporte vermieden werden. Im Übrigen ist E10 mittlerweile für nahezu den gesamten Bestand an Benzin-Fahrzeugen bedenkenlos einsetzbar, die Mehrkosten in der Erzeugung liegen bei lediglich 1 Cent pro Liter. „Für uns steht im Fokus, dass die Konsumenten ihre Fahrzeuge weiterverwenden und trotzdem CO2 einsparen können“, so Wiesinger.

Für den Mobilitätsclub ist der vermehrte Einsatz von alternativen Kraftstoffen ein wichtiger Baustein für das Erreichen der Klimaziele in der Mobilität. Auf dem Weg zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes im Verkehr braucht es in Summe jedoch ein Bündel an Maßnahmen, wie den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, die Förderung von E-Mobilität, die Erhöhung des Pkw-Besetzungsgrades, die Schaffung eines Wettbewerbsmarktes für Mobilitätsdienstleistungen oder mehr Mikro-ÖV-Angebote wie Ruf-Taxis oder Gemeindebusse. „Alternative Kraftstoffe sind kein Allheilmittel zur Erreichung der Klimaziele, sondern ein wichtiger Beitrag, um alle Bevölkerungsgruppen mitzunehmen“, hielt der Experte fest.

Zielpfad unter Einbeziehung zahlreicher Stakeholder entwickelt

Zur Förderung der intensiveren Nutzung alternativer Kraftstoffe wurde von der Österreichischen Energieagentur ein Zielpfad entwickelt. Die Inhalte wurden auf Grundlage von Interviews mit Experten der Unternehmen Agrana, Münzer Bioindustrie und OMV, Landwirtschaftskammer Österreich, Institut für Fahrzeugantriebe & Automobiltechnik, ARBÖ sowie der Forschungsgruppe Zukunftsfähige Energietechnik der TU Wien erstellt. Fachrelevante Inputs des Arbeitskreises der Automobilimporteure der Industriellenvereinigung Österreich wurden einbezogen. (aiz)