11.07.2019

Niederösterreich: Zusätzliche 2 Mio. Euro für Waldschutzprogramm

„Die Lage in Niederösterreichs Wäldern war bereits 2018 dramatisch und ist heuer nach wie vor angespannt. 60% des Holzeinschlages von über 5 Mio. Festmestern (fm) waren im Vorjahr Schadholz. Diese 3 Mio. fm konnten nur niedrigpreisig verkauft werden“, stellte LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer (LK) Niederösterreich, Johannes Schmuckenschlager, fest. Zwei Drittel des Schadens habe man dem Borkenkäfer zu verdanken, der Rest entfalle auf Sturmschäden und Schneebruch. Grund für diese dramatische Situation sei der Klimawandel, betonte Pernkopf: „Lange Dürreperioden und hohe Temperaturen sorgen für Trockenstress bei den Bäumen, wodurch sich dieser Forstschädling dramatisch ausbreiten kann, teilweise kommt es sogar zu bis zu vier Generationen im Jahr. Gerade die Fichtenwälder, die mit 37% den Großteil unseres Bestandes ausmachen, sind für den Borkenkäfer leichte Beute.“


Trotz höherer heimischer Schadholzmenge stiegen Importe

„Derzeit gibt es aufgrund der Borkenkäfersituation mehr Holz - abholfertig an den Straßen gelagert - als der Markt aufnehmen kann. Auch wenn die Abnahme von heimischem Holz einen Höchststand erreicht hat, ist es für mich und ganz besonders für alle betroffenen Waldbauern daher völlig unverständlich, dass im Vorjahr auch der Holzimport um rund 20% gesteigert wurde. Wenn diese Menge - rund 1 Mio. Erntefestmeter heimisches, verfügbares Holz - aus unseren Wäldern abgefrachtet worden wäre, hätte dies wesentlich zu einer Entlastung der ohnehin schon schwierigen Situation für die Waldbesitzer beigetragen“, betonte Schmuckenschlager.

Die Schäden sind laut Pernkopf eine Tragödie für die Forstwirte, aber auch für das ganze Land. Der Wald bedeckt über 41% der Landesfläche: Diese 790.000 ha seien die grüne Lunge Niederösterreichs, dienen als Rückzugsort und Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Wasserspeicher, Naherholungsgebiet und nicht zuletzt als CO2-Speicher.

Waldschutzprogramm wird verlängert

Zur Sicherung des Waldes wurden die Forstwirte im Rahmen eines Waldschutzprogrammes von 2018 bis Juni 2019 von Land, Bund und EU mit rund 5,3 Mio. Euro unterstützt: In den Forstschutz flossen dabei 1,7 Mio. Euro. Damit konnten über 640 ha gemulcht und 55.000 fm in Zwischenlager gebracht werden. Zusätzlich wurden 11.000 Fangbäume für Borkenkäfer bereitgestellt. Überdies wurden 3,6 Mio. Euro für die Wiederaufforstung bereitgestellt, wodurch auf einer Fläche von 1.700 ha neuer Wald entstehen konnte. „Diesen Weg werden wir weiter forcieren und stellen heuer zusätzlich 2 Mio. Euro für den Forstschutz und die Wiederaufforstung zur Verfügung“, kündigte Pernkopf an. Er erinnerte dabei an 750 mit Holz betriebene Nahwärmeanlagen, 27 Biomasse-KWK-Anlagen, die Wohnbaustrategie mit ihrer Holzbauoffensive sowie die Maßnahmen zum Ausstieg aus Öl-Heizungen und damit zum Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme: „Niederösterreich war das erste Bundesland, das den Einbau von Ölkesseln im Neubau verboten hat. Und wir waren es auch, die auf die Weiterführung des 'Raus aus dem Öl-Bonus' des Bundes gedrängt haben, der jetzt mit 20 Mio. Euro zusätzlich dotiert wurde. Mit diesen zusätzlichen Mitteln können weitere 4.000 alte Öl-Kessel durch umweltfreundliche Wärmesysteme ersetzt werden.“

Niederösterreich setze also auf vielen Ebenen und an vielen Punkten an, um die heimische Forstwirtschaft zu unterstützen und die Wälder zu schützen, erläuterte Pernkopf und appellierte abschließend an die Konsumenten, beim Holz-Kauf auf heimische Herkunft zu achten, sowie an die Sägeindustrie: "Die Holzimporte sind 2018 um 20% gestiegen, diese Steigerung entspricht zusätzlichen 35.000 vollbeladenen LKWs. Meine Bitte daher: Unterstützen wir gemeinsam die heimischen Waldbauern und kaufen das Holz vor der Haustüre."

Notwehr-Fahrverbot angedacht


Laut LK-Präsident Schmuckenschlager ist der Fichtenbereich in Niederösterreich durch die Borkenkäferkalamitäten dramatisch im Niedergehen. „Konnte ein 30 ha großer Betrieb bisher rund 200 fm gewinnen und damit 7.300 Euro pro Jahr einnehmen, so kann das Schadholz jetzt nur noch um 1.000 Euro verkauft werden. Das ergibt ein Minus von 6.300 Euro pro Jahr.“ Angesichts der steigenden Importe - trotz des erhöhten eigenen Holzaufkommens - kündigte der Interessenvertreter an, ein Notwehr-Fahrverbot wie in Tirol beim Transit zu fordern, sollte die heimische Sägeindustrie hierbei nicht einlenken. (aiz)