11.06.2019

Strasser: Klimawandel ist zentrale Herausforderung für heimische Landwirtschaft

Mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel bekommen die heimischen Bauern die Auswirkungen des Klimawandels als erste zu spüren. 2018 ist das überdeutlich geworden. Lange Trockenperioden, kaum Regen und ein Schädlingsbefall fast biblischen Ausmaßes machte ihnen das Leben schwer. Diese Extreme werden laut Klimaexperten in den kommenden Jahren noch zunehmen. „Darum ist es notwendig, dass wir die Forschung intensivieren und neue Züchtungsmethoden forcieren. Nur so können unsere Landwirte auch weiterhin hochqualitative Lebensmittel produzieren“, erklärte ÖVP-Landwirtschaftssprecher und Bauernbund-Präsident Georg Strasser anlässlich des Klima- und Ackerbaugipfels am 3. Juni in Ladendorf (NÖ). Im Anschluss an die Veranstaltung besuchte er zwei Betriebe im Weinviertel, um sich einen Überblick über die aktuelle Situation und die Problemstellungen der örtlichen Bauern zu verschaffen.

Ehrliche Diskussion rund um Pflanzenschutzmittel gefordert

Das Hauptziel der heimischen Landwirtschaft ist es, die Versorgungssicherheit mit hochqualitativen Lebens- und Futtermitteln sowie Energie herzustellen. Leider hat sich die Relation von in Österreich erzeugten Nahrungsmitteln zum Verbrauch verschoben, sie nimmt immer mehr ab. Die Ursachen hierfür sind bekannt: „Die Bevölkerungszahlen steigen, die Fläche wird weniger und durch stark wechselnde klimatische Bedingungen sowie Schädlinge gibt es stark schwankende Ernteerträge oder Ausfälle. Doch die Nachfrage bleibt, deswegen werden Lebensmittel aus dem Ausland importiert. Bestes Beispiel hierfür waren die dramatischen Ernteausfälle bei Erdäpfeln im Vorjahr. Die bäuerlichen Produzenten konnten deshalb dem Handel bereits im April keine eigenen Erdäpfel der Ernte 2018 mehr anbieten. Diese wurden und werden weiterhin aus Ägypten, Zypern oder Israel importiert. Anstatt heimischen Bauern faire Rahmenbedingungen, auch durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu ermöglichen, holen wir uns lieber Ware aus dem Ausland, mit unklaren Produktionsbedingungen. Soll das wirklich die Lösung sein?“, fragt Strasser.

Aus diesem Grund fordert er eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch für verarbeitete Produkte: „Nur wenn die Konsumenten klar erkennen können, woher ihre Lebensmittel kommen, können sie auch objektiv entscheiden. Es wird deswegen notwendig sein, eine transparente und verpflichtende Kennzeichnung auch bei verarbeiteten Produkten einzuführen“, betont der Landwirtschaftssprecher.

Strasser sieht in Zukunft vor allem die Gesellschaft, die NGOs, aber auch die Wissenschaft gefordert, sich beim Thema Pflanzenschutz vermehrt mit den heimischen Bauern zu beschäftigen: „Eines muss uns allen klar sein, ohne Pflanzenschutzmittel wird es in Zukunft nicht gehen. Eine Lebensmittelproduktion im Inland ist nicht selbstverständlich. Vielen Kritikern ist nicht bewusst, dass ausländische Erdäpfel mit mehr Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden als heimische. Hinzu kommt noch der Transportweg. Wenn wir klimafreundliche Lebensmittel haben möchten, müssen wir sie vor Ort produzieren und nicht durch die halbe Welt kutschieren“, so Strasser. (aiz)