14.05.2019

Agrana verzeichnet im Geschäftsjahr 2018/19 deutlichen Ergebnisrückgang

Die Agrana Beteiligungs-AG erzielte im Geschäftsjahr 2018/19 einen leicht rückläufigen Konzernumsatz von 2.443,0 Mio. Euro. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) lag mit 66,6 Mio. Euro um 65,1% unter dem Wert des Vorjahres. „Der deutliche Ergebnisrückgang war vor allem auf anhaltende Tiefstpreise bei Zucker, aber auch auf niedrige Preise für Isoglukose und Ethanol zurückzuführen. Im Segment Frucht verzeichnete Agrana stabile Umsätze und einen Anstieg beim EBIT, wobei das Fruchtsaftkonzentratgeschäft aufgrund der verbesserten Margen- und Absatzsituation den Ergebniszuwachs erbrachte“, berichtete heute Vorstandsvorsitzender Johann Marihart bei der Bilanzpressekonferenz.

„Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr, das vor allem durch Verluste im Segment Zucker und durch auf niedrigem Niveau volatile Ethanolpreise negativ geprägt war, können wir zweifellos nicht zufrieden sein. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir jedoch wieder mit einem deutlich besseren Gesamtergebnis, insbesondere durch einen EBIT-Anstieg im Segment Frucht. Einmal mehr bewährt sich gerade in der schwierigen Zuckermarktsituation unsere Strategie der Diversifizierung, mit der wir schwankende wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den verschiedenen Segmenten ausbalancieren können. Unser Optimismus kommt auch in unseren Investitionen in Wachstumsprojekte im Segment Frucht und in Spezialisierungsprojekte im Segment Stärke zum Ausdruck. Die Inbetriebnahme der erweiterten Weizenstärkefabrik in Pischelsdorf (NÖ) als größtes Vorhaben im neuen Geschäftsjahr soll wie geplant Ende 2019 erfolgen“, kündigte Marihart an.

Ergebnis vor Ertragsteuern sank auf 51,2 Mio. Euro

Das Finanzergebnis betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr -15,4 Mio. Euro (Vorjahr: -14,5 Mio. Euro). Die bereits im Vorjahr durchgeführte Optimierung der Kredit- und Zinsstruktur führte auch in diesem Jahr zu einer weiteren Verbesserung des Zinsergebnisses um 2,3 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Ertragsteuern ging von 176,2 Mio. Euro im Vorjahr auf 51,2 Mio. Euro zurück. Nach einem Steueraufwand von 20,9 Mio. Euro, der einer Steuerquote von 40,7% (Vorjahr: 19%) entspricht, betrug das Konzernergebnis 30,4 Mio. Euro (Vorjahr: 142,6 Mio. Euro), berichtete Finanzvorstand Stephan Büttner.

Bei einer gegenüber dem Vorjahr um 33 Mio. Euro höheren Bilanzsumme von 2.389,4 Mio. Euro lag die Eigenkapitalquote von 59% nur um 2,7 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Die Nettofinanzschulden zum 28. Februar 2019 lagen mit 322,2 Mio. Euro um 89,7 Mio. Euro über dem Wert des Bilanzstichtages 2017/18. Das Gearing (Verschuldungsgrad) zum Stichtag betrug 22,9% (Vorjahr: 16%). „Gemäß unserer Dividendenpolitik, die sich bei den Ausschüttungen am Ergebnis, am Cashflow sowie an der Verschuldungssituation des Konzerns unter Wahrung einer soliden Bilanzstruktur orientiert, wird der Vorstand für das Geschäftsjahr 2018/19 der Hauptversammlung heuer eine Dividende von 1 Euro je Aktie vorschlagen“, informierte Bittner.

Segment Frucht: Umsatz und Ergebnis über dem Vorjahreswert

Der Umsatz im Segment Frucht stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 1,5% auf 1.179,1 Mio. Euro. Das EBIT lag mit 77,3 Mio. Euro um 2,1% über dem Vorjahreswert. Während im Geschäftsbereich Fruchtzubereitungen der Umsatz trotz höherer Absätze durch negative Fremdwährungseffekte rückläufig war, stiegen bei Fruchtsaftkonzentraten die Umsatzerlöse aufgrund der hohen Preise für Apfelsaftkonzentrat aus der Ernte 2017 sowie durch gute Absätze aus der Kampagne 2018. „Der EBIT-Anstieg im Segment Frucht ist auf die verbesserte Margen- und Absatzsituation im Fruchtsaftkonzentratgeschäft sowie die hohe Kapazitätsauslastung der Werke in der Verarbeitungssaison 2018 zurückzuführen“, erläuterte der für den Rohstoffeinkauf zuständige Vorstand Fritz Gattermayer.

„Die Absatzsteigerung von 3% bei Fruchtzubereitungen ermöglichte uns den Ausbau der Weltmarktführung. Die Diversifizierung in diesem Bereich wollen wir weiter forcieren“, kündigte Gattermayer an. Der Konsum von klassischen Fruchtjoghurts sei zwar in westlichen Industriestaaten rückläufig, dem gegenüber hätten die Märkte in Asien, Afrika und im Nahen Osten noch Wachstumspotenzial. Im Fokus von neuen Produktentwicklungen der Agrana stehe das Thema „Natürlichkeit“ ebenso wie die Anreicherung mit Nährstoffen. Im Bereich Fruchtsaftkonzentrat hätten die Rekord-Apfelernten, speziell in Europa, zu sehr günstigen Rohstoffpreisen geführt, ergänzte der Vorstand. Auch hier werde man die Diversifizierung fortführen.

Segment Stärke: Umsatz leicht gestiegen - Ethanolmarkt volatil

Im Segment Stärke lag der Umsatz mit 762,7 Mio. Euro um 1,4 % leicht über dem Vorjahreswert. Umsatzzuwächse bei nativen und modifizierten Stärken und Spezialitäten glichen mengen- und preisbedingte Umsatzrückgänge bei Verzuckerungsprodukten (Isoglukose) und preisbedingte Rückgänge bei Bioethanol aus. Die schlechtere Performance im Ethanol- und Verzuckerungsproduktgeschäft führte zu einem EBIT-Rückgang um 36,2% auf 51,2 Mio. Euro.

„Die Eckpunkte im Stärkesegment waren 2018/19 eine stabile Rohstoffversorgung bei Mais und Getreide sowie eine anhaltend gute Nachfrage der Papierindustrie. Der Ethanolabsatz war durchaus solide, die Preise waren jedoch sehr volatil. Für heuer erwarten wir eine weiterhin stabile Nachfrage bei nativen und modifizierten Stärken. Bei Spezialprodukten wie Säuglingsmilchnahrung oder Biostärke gehen wir von einer positiven Absatzentwicklung aus“, so Gattermayer.

Segment Zucker: Hoffnung auf Preiserholung

Der Umsatz im Segment Zucker verringerte sich aufgrund des sehr tiefen Preisniveaus um 23,2% auf 501,2 Mio. Euro. Beim Absatz lagen die Verkäufe an die Retail- und Industriekunden in den Heimatmärkten im Plus. Die Exportvolumina und die Absätze an die Nicht-Lebensmittelindustrie waren rückläufig. Das EBIT reduzierte sich markant auf -61,9 Mio. Euro, die EBIT-Marge lag bei -12,3%.

„Die im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Verkaufspreise, aber auch Belastungen infolge der trockenheitsbedingt geringeren und qualitativ schlechteren Ernte in Österreich führten zu dieser negativen Entwicklung", erläuterte Gattermayer. Der Derbrüsselkäfer habe auch heuer Schäden angerichtet, speziell in Niederösterreich. Ein Teil der umgebrochenen Flächen sei nachgebaut worden, derzeit gehe man von einer Rübenanbaufläche von rund 28.000 ha aus. Die Agrana unterstütze die Rübenbauern mit verschiedenen Maßnahmen (Kostenübernahme beim Anbau, Einsatz von Pheromonfallen, intensive Versuchs- und Beratungstätigkeit), um den Rohstoffbedarf zu decken und die Auslastung der Werke zu erhöhen“, unterstrich das Vorstandsmitglied. Die Zuckerpreise dürften jetzt die Talsohle durchschritten haben und gegen Jahresende wieder ansteigen. Der Weltmarktpreis werde aber voraussichtlich weiter unter dem EU-Niveau bleiben.

Deutliche Ergebnisverbesserung erwartet

„Aufgrund der soliden Bilanzstruktur und des diversifizierten Geschäftsmodells mit den Segmenten Frucht, Stärke und Zucker sieht sich Agrana für die Zukunft gut gerüstet. Aus heutiger Sicht rechnen wir für das Geschäftsjahr 2019/20 trotz der weiterhin großen Herausforderungen im Segment Zucker mit einem deutlichen Anstieg beim Ergebnis der Betriebstätigkeit. Beim Konzernumsatz gehen wir von einem moderaten Plus aus", berichtete Vorstandsvorsitzender Marihart. Im laufenden Geschäftsjahr soll das Investitionsvolumen in den drei Segmenten mit insgesamt 143 Mio. Euro deutlich über den geplanten Abschreibungen in Höhe von rund 108 Mio. Euro liegen.

Mit Innovationen Mehrwert schaffen

Marihart wies abschließend auf innovative Produkte hin, mit denen Agrana in Zukunft verstärkt punkten will. Als Beispiele nannte er thermoplastische Stärke, die als Rohstoff-Alternative zu Plastiksackerln eingesetzt werden kann und zu 100% kompostierbar ist, sowie Spezialstärke für die Textil,- Kosmetik- und Baustoffindustrie. Mit dem Bau einer Anlage zur Gewinnung von kristallinem Betain in Tulln soll ebenfalls ein Mehrwert geschaffen werden. Betain wird als Bestandteil von Futtermitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Sportgetränken, aber auch für Kosmetika und Shampoos eingesetzt. Eine höhere Wertschöpfung will man auch durch die 100%ige Rohstoffverwertung erzielen - etwa durch eine Kapazitätserweiterung in der Kartoffelstärkefabrik Gmünd, wo das bisher ungenutzte Nebenprodukt „Pülpe“ zur Kartoffelfaser veredelt und an die Lebensmittelindustrie verkauft wird.

Marihart erinnerte heute einmal mehr daran, dass die Agrana genug Bioethanol für eine 10%ige Beimischung in Österreich produziert (derzeit werden nur 5% zugemischt). Dadurch könnten kurzfristig wesentliche Treibhausgas-Einsparungen erzielt und die Feinstaubbelastung deutlich reduziert werden. Mit der Erzeugung von Bioethanol verringere man auch die EU-Eiweißfuttermittellücke beträchtlich, gab der Vorstandsvorsitzende zu bedenken. (aiz)