16.04.2019

OÖ: Früher Start der Spargel-Saison soll Inlandsversorgung verbessern

Die Spargel-Saison beginnt heuer in Oberösterreich relativ früh. Die günstige Witterung der vergangenen Wochen bewirkt einen leicht vorgezogenen Saisonstart für die bei den Konsumenten immer beliebter werdenden Spargelstangen. Ernten vor dem 15. April erfordern allerdings den Einsatz von Verfrühungsfolien, welche die Spargeldämme erwärmen. „Mit dieser Kultivierungsmethode können unsere Spargelbauern der ausländischen Ware Paroli bieten, die oft schon ab Anfang März in österreichischen Supermärkten erhältlich ist. Solche Aktionen der Handelsketten, die den Spargel aus Peru, Marokko oder Griechenland importieren, sind für unsere bäuerlichen Betriebe nicht hilfreich“, betonten heute Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ, und Agrarlandesrat Max Hiegelsberger.

Derzeit produzieren 16 oberösterreichische Gemüsebaubetriebe auf einer Fläche von rund 40 ha weißen und auf 85 ha grünen Spargel - mit steigender Tendenz. Frischer Spargel ist in Österreich etwa zehn Wochen hindurch erhältlich, die Haupterntezeit mit guter Spargelverfügbarkeit dauert aber durchschnittlich nur acht Wochen. Sie beginnt im Freiland meistens Mitte April und endet etwa um den 20. Juni.

Folien können mehrfach wiederverwendet werden

Für eine Verfrühung der Ernte können auf Teilen der Spargelfläche sogenannte „Mini-Tunnel“, unter denen sich die Erde schneller erwärmt, aufgebaut werden. Zu Beginn des Frühjahrs werden die charakteristischen Spargeldämme mit der Spargelfräse hochgezogen und jene Flächen, auf denen man eine verfrühte Ernte erreichen will, werden mit Folie oder Vlies abgedeckt. Diese Folien können über viele Jahre wiederverwendet werden und sie helfen dabei, Schädlinge und Unkraut zu unterdrücken. Pflanzenschutz ist daher nicht erforderlich. „Die Sorge mancher Konsumenten, dass diese schwarzen Folien die Umwelt belasten, ist unbegründet. Außerdem sind sie auch nach der landwirtschaftlichen Nutzung zu 100% wiederverwendbar, sie werden unter anderem zu Müllbeuteln weiterverarbeitet“, informierte Reisecker.

„Witterung und Anbaumethode bestimmen den Beginn der Spargelernte. Der erzielbare Ertrag ist wesentlich von der Tagestemperatur und der Sonnenscheindauer abhängig. Ein verregnetes Frühjahr wie 2015 oder das Auftreten von Spätfrösten wie 2016 und 2017 kann die Ernte, insbesondere beim ungeschützten Grünspargel, beträchtlich reduzieren“, erläuterte Hiegelsberger.

Oberösterreich: Spargel-Flächen werden erweitert

Die Spargelfläche nimmt in Österreich derzeit 800 ha ein. Niederösterreich hat mit 580 ha den größten Anteil, der Rest verteilt sich auf Oberösterreich, Kärnten, die Steiermark und das Burgenland. In Oberösterreich wird die Fläche zurzeit weiter ausgebaut. „2018 haben sich weitere oberösterreichische Gemüsebauern entschlossen, in den Spargelanbau einzusteigen. Da diese Junganlagen heuer noch nicht beerntet werden können, werden diese Flächen erst im Jahr 2020 tragend werden“, so Hiegelsberger. „Die starke Direktvermarktung in Oberösterreich bietet auch noch Marktchancen für einige Neueinsteiger. 90% der Spargelstangen finden im Land ob der Enns den direkten Weg zum Endkonsumenten“, ergänzte Reisecker.

Ohne Erntehelfer kein Spargel - Deutliche Lohnunterschiede zum Ausland

Besonders im Großhandel ist das Angebot aus dem Ausland so stark, dass für österreichischen Spargel ebenfalls nur Niedrigstpreise gezahlt werden. Deswegen stagniert in der Alpenrepublik die Spargelfläche, obwohl diese Kultur im Trend liegt und der Gesamtverbrauch leicht zunimmt. Dies liegt auch an den hohen Lohn- und Lohnnebenkosten für Erntehelfer sowie Saisonniers in Österreich im Vergleich zu Konkurrenzländern. „So beträgt der Mindestlohn je Stunde in Deutschland 9,10 Euro, in Österreich 11,80 Euro. Pro ha Spargel sind, je nach Betriebsorganisation und technischer Ausstattung, zwischen 1.000 und 1.200 Arbeitskraftstunden zu leisten, was allein zum Nachbarland Deutschland einen Wettbewerbsnachteil von zumindest 2.800 Euro pro ha bedeutet“, rechnete Hiegelsberger vor.

Mit dem Start der Spargelernte Mitte April beginnt in Österreich der erste große Arbeitseinsatz von Erntehelfern und Saisonniers. „Um die arbeitsintensive Handarbeit in kurzer Zeit bewältigen zu können, werden pro ha fünf bis sechs Arbeitskräfte benötigt. In unserem Bundesland kommen somit rund 500 bis 600 Personen rein für Ernte- und Marktaufbereitung zum Einsatz. Noch nicht eingerechnet sind hier die nachgelagerten Arbeiten für Transport und Verkauf, welche häufig von den Familienangehörigen erledigt werden“, erläuterte Reisecker. (aiz)