25.10.2018

Europäische Wissenschafter warnen vor Hemmnissen in der Pflanzenbiotechnologie Moderne Mutageneseverfahren nicht als GVO einstufen

Forschungsinstitute aus ganz Europa warnen in einem Positionspapier vor negativen Auswirkungen der Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Union vom Juli, dass mit präzisen Mutagenese-Techniken hergestellte Sorten gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) gleichzustellen sind. Dies schade der Landwirtschaft, Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Wissenschafter von 75 Forschungsstätten, darunter das Gregor Mendel Institut für molekulare Pflanzenbiologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien, die Universität für Bodenkultur Wien, das Austrian Institute of Technology (AIT) und das Institute of Science and Technology (IST) Austria, zeigen sich "zutiefst besorgt, dass diese Entscheidung de facto zu einem Bann der innovativen Getreidezüchtung führen wird", erklären sie laut APA. Die europäischen Bauern würden dadurch neuen Generationen von klimawandelverträglichen und nährstoffreicheren Feldfrüchten beraubt, meinen sie. Diese würden dringend gebraucht, um den aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen zu sein.

Der Spruch des Gerichtshofs der Europäischen Union würde nicht dem aktuellen Wissensstand entsprechen, kritisieren sie weiter. Organismen, die einem einfachen und gezielten Eingriff in ihr Genom ausgesetzt waren, seien mindestens so sicher wie mit klassischen Zuchttechniken hergestellte Sorten, und nicht mit jenen zu vergleichen, wo fremde Gene eingeführt wurden. Die Wissenschafter rufen die EU-Politiker in dem Schreiben auf, jene "Innovation in der Pflanzenforschung und Landwirtschaft zu unterstützen" und die Rechtslage dahingehend zu ändern, dass etwa mit der Genschere CRISPR/Cas9 modifizierte Sorten behandelt werden wie klassischen Varietäten, und nicht wie GVOs.