02.08.2018

EU-Getreideernte 2018 unter dem Vorjahresniveau

"Die Europäische Kommission erwartet in ihrer neuesten Schätzung für 2018 eine EU-Getreideernte in Höhe von 293,5 Mio. Tonnen. Damit fällt sie um 4,4% niedriger aus als im Vorjahr und liegt auch deutlich unter der bisherigen Spitzenernte der EU-28 von rund 330 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/2015", berichtete heute Christian Gessl, Leiter der Abteilung Marktordnungen in der AMA, im Rahmen der Getreide-Erntebilanz.

Weizenfläche verringert - Maisfläche ausgedehnt

Die EU-weite Getreidefläche verringerte sich heuer, dem Trend der letzten Jahre folgend, gegenüber dem Vorjahr um weitere 0,7% auf 55,1 Mio. ha. Ein nasser Herbst in Nordosteuropa führte zu einer deutlichen Reduktion der Weichweizenfläche (-1,3%), demgegenüber wurde der Anbau von Gerste (+1,7%) und Mais (+1,2 %) ausgedehnt.

"Besonders die heiße und trockene Witterung in weiten Teilen Europas reduzierten die Hektarerträge bei Getreide. Während in den nördlichen, zentralen und östlichen Gebieten teilweise bis 50% niedrigere Erträge erwartet werden, liegen die
Ertragsschätzungen in den westlichen und südlichen Anbaugebieten im Durchschnitt", erläuterte Gessl.

Abbau der Lagerbestände erwartet

Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2017/2018 erreicht die Getreideproduktion in der EU-28 mit rund 307 Mio. t einen Durchschnittswert. Geringere Ausfuhren bei Weizen und Gerste sowie höhere Importe bei Mais führten zu einem Anstieg der
Lagervorräte auf etwa 54 Mio. t.
Im Vermarktungsjahr 2018/2019 wird die EU-Getreidebilanz von folgenden Faktoren beeinflusst: Ernteausfälle in bedeutenden Anbauregionen werden in Summe zu einer unterdurchschnittlichen Getreideernte führen. Während die EU-Kommission einen Inlandsverbrauch in unveränderter Höhe erwartet, dürfte das Exportprogramm ausgeweitet werden. "Das bedeutet, dass die hohen Anfangslagerbestände im Laufe des Wirtschaftsjahres deutlich reduziert werden", so der Experte.

Gedämpfte Ernteaussichten bei Ölsaaten

Die Ölsaatenfläche hat sich in der EU mit 11,9 Mio. ha gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Der Anteil der Rapsfläche beträgt 57%, gefolgt von Sonnenblumen mit 35% und Sojabohnen mit 8%. Die diesjährige Ölsaatenproduktion wird
derzeit auf 32,9 Mio. t und damit um 5,7 % unter dem Vorjahreswert geschätzt, wobei vor allem bei Raps ein Minus von 10,5% verzeichnet werden dürfte. In den Hauptanbauländern (Frankreich, Deutschland sowie Polen) wird mit einem Minus von 16,4% gerechnet. Demgegenüber werden höhere Erntemengen bei Sonnenblumen und Sojabohne erwartet.

Weltweit sinkende Ernteprognosen

"Für die weltweite Getreideproduktion hat der internationale Getreiderate (IGC) seine Schätzung im Vergleich zum Vormonat um 18 Mio. t reduziert, somit würde sich die Getreideernte 2018/19 auf rund 2.059 Mio. t (-1,5%) belaufen. Aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen in den wichtigsten Anbaugebieten dürfte die globale Getreideproduktion 2018/2019 auf ein Dreijahrestief sinken", informierte Gessl. Infolge sinkender Ernteprognosen in der EU-28 und in Russland dürfte weltweit eine um 37 Mio. t geringere Weizenernte im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden. Demgegenüber seien die Schätzungen für die globale Maisernte dank guter Aussichten in Südamerika um 1% höher als 2017/2018, so der Experte.
Schere zwischen Verbrauch und Produktion wird größer
Die Produktionsüberschüsse der Jahre 2013 bis 2016 führten zu einem Aufbau der weltweiten Getreidelager und einem Höchststand von 619 Mio. t. Der im Vorjahr begonnene Abbau der globalen Lagerbestände wird sich im Vermarktungsjahr 2018/19 verstärkt fortsetzen. So wird beim weltweiten Verbrauch mit einem Zuwachs auf rund 2.128 Mio. t (+0,9%) gerechnet, bedingt durch einen erhöhten Bedarf im Nahrungsmittelsektor sowie in der industriellen Verarbeitung. Infolge der gleichzeitig sinkenden Produktion dürfte es zu einem Abbau der weltweiten Lagervorräte um 11,5 % auf etwa 532 Mio. t kommen, womit die weltweite Versorgungsbilanz sinkende Werte verzeichnet.

Ölsaaten: Sojaproduktion auf Rekordniveau

Umgekehrt ist die Situation im Ölsaatenbereich: Aufgrund der erwartenden Flächenzuwächse in Südamerika wird für die Weltproduktion 2018/2019 bei Sojabohnen ein Rekordwert von 359,5 Mio. t prognostiziert. Die Lagervorräte werden sich somit auf 44 Mio. t erhöhen, dies entspricht einem Anstieg von 5% gegenüber dem Vorjahr.

Steigende Getreidekurse gegenüber stagnierenden Ölsaatennotierungen

"Die verringerten Getreideernten in Europa und Russland unterstützen die Weizenkurse auf der europäischen Leitbörse in Paris und machen Kursanstiege möglich, obwohl die international bedeutendste Getreidebörse in Chicago stagniert. Die
Maisnotierungen in Paris wurden vom knappen Getreideangebot der EU und den Weizenkursen mit nach oben gezogen, obwohl die Notierungen in Übersee nur geringe Steigerungen verbuchen. Die Kursentwicklung für Raps in Paris wird von den schwachen Sojakursen beeinflusst. Die Sojanotierungen in Chicago und damit der gesamte globale Ölsaatenmarkt leiden unter dem aktuellen Handelsstreit zwischen den USA und China, weil die Amerikaner zu den größten Exporteuren in diesem Bereich gehören und China der wichtigste Abnehmer von Soja ist", fasste Gessl die globale Marktsituation zusammen.