10.08.2016

GV-Soja: Europäische Agrarverbände beklagen verspätete Importzulassung

Die EU-Kommission lässt drei neue gentechnisch veränderte (GV) Sojasorten für den Import als Futter- und Lebensmittel zu. Wie berichtet handelt es sich dabei um die Sorten MON 87708 x MON 89788, MON 87705 x MON 89788 von Monsanto und FG 72 von Bayer CropScience. Alle drei Sorten sind gegen Glyphosat resistent. Zudem wiederstehen einige zusätzlich den Herbiziden Dicamba und Isoxaflutol. Kritik kommt dazu nun von EU-Agrarverbänden, die seit Monaten auf eine Zulassung der gentechnisch veränderten Sorten drängten und die Rechtsunsicherheit für Importeure bislang beklagten.

Die Landwirte in Nord- sowie Südamerika seien schon in den Startlöchern gestanden und der Verkauf des Saatguts habe sich wegen der bisher fehlenden Genehmigung in der EU hinausgezogen. Eine Verzögerung von sechs unnötigen Monaten wirft EuropaBio, der Europäische Verband der GV-Saatguthersteller, der EU-Kommission vor. Schon im Jänner hatte der EU-Ombudsmann der Europäischen Kommission eine schlechte Verwaltung zugeschrieben, die den Antragstellern Nachteile einhandeln könnte.

GV-Sojagenehmigungen strategisch nach Glyphosat-Zulassungsverlängerung erfolgt

Beobachter in Brüssel gehen davon aus, dass die Genehmigung der GV-Sorten erfolgte, nachdem die EU-Kommission auch Glyphosat für weitere 18 Monate zugelassen hat. Während der Debatte um das umstrittene Pflanzenschutzmittel wollte die EU-Kommission nicht noch Öl ins Feuer gießen. Zudem hatte das Europaparlament alle laufenden Genehmigungen für GVO abgelehnt, solange die Zulassungsregeln nicht reformiert sind. Das Europäische Parlament wartet auf einen Vorschlag der EU-Kommission für den Import von GVO, nachdem die sogenannte Opt Out-Lösung (nationale Verbote) zurückgewiesen wurde.
Die Importeure von Futtermitteln in der EU bräuchten größere Rechtssicherheit, meinen die Europäischen Verbände der Futtermittelhersteller (FEFAC), des Agrarhandels (Coceral) und der Ölmühlen (FEDIOL) zu den jüngsten Sojagenehmigungen. Die Verbände hätten eine Erklärung von der EU-Kommission für die Verspätung erwartet.

Die Gentechnikgegner kritisieren die Entscheidung. Testbiotech spricht von "Giftsoja". Die Sojaimporte enthielten neben Herbizidrückständen weitere Chemikalien wie Tallowamine, die wesentlich giftiger als Glyphosat selbst seien und zum Teil in der EU bereits verboten wurden, erklärte Christoph Then von Testbiotech.