14.04.2016

Syngenta bleibt trotz Übernahme durch ChemChina Syngenta

Der Agrarchemiekonzern Syngenta wird seine Entwicklungsstrategien in den drei Geschäftsbereichen Pflanzenschutz, Züchtung und neue Technologien (z.B. GV-Merkmale) auch nach einer Übernahme durch ChemChina fortsetzen. "Im März wurde das Angebot von der staatlichen China National Chemical Corporation veröffentlicht und es soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die wichtige Botschaft für die Mitarbeiter, aber auch für die Kunden lautet: Es sind keine Restrukturierungen geplant, die Eigenständigkeit des Konzerns bleibt erhalten. Syngenta bleibt Syngenta", betonte heute Manfred Hudetz, Geschäftsführer der Syngenta Agro GmbH, bei der ersten Pressekonferenz des Konzerns in Österreich. Aktuell laufe noch die vorgeschriebene Überprüfung durch die Kartellbehörden. Außerdem wird Syngenta die Geschäftsbereiche Gemüse- und Blumensaatgut weiterführen. "Aufgrund einer internen Neubewertung hat das Unternehmen beschlossen, den Verkauf dieser Sparten nicht weiter zu verfolgen", teilte Hudetz mit.

Angesprochen auf die aktuellen Diskussionen über die Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat - der von einem anderen Pflanzenschutz-Unternehmen hergestellt wird - stellte Hudetz fest: "Wir unterstützen die Wiederzulassung von Glyphosat. Es ist ein wichtiger Baustein für die Landwirtschaft und wir sind vom Nutzen für die Agrarwirtschaft überzeugt."

Schwieriges regulatorisches Umfeld in Europa  

Syngenta hat im Jahr 2014 über 1,4 Mrd. USD in die Forschung und Entwicklung (F&E) der drei Geschäftsbereiche investiert und greift hierbei auf ein globales Netzwerk von mehr als 150 firmeneigenen Forschungsstandorten zurück, die wiederum mit mehr als 400 Institutionen und Organisationen weltweit im Bereich F&E kooperieren. "Trotzdem steht die Pflanzenschutz-Forschung vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Nicht zuletzt steigen etwa die Kosten für die Entwicklung neuer Wirkstoffe kontinuierlich an und lagen zuletzt bei 250 bis 300 Mio. USD pro Wirkstoff", zeigte Christian Stockmar, Leiter von Syngenta in Österreich, auf. Bis zum Jahr 2018 sei die Einführung von weltweit 13 neuen Wirkstoffen, Formulierungen oder Wirkstoffkombinationen mit einem Umsatzpotenzial von mehr als 3,6 Mrd. USD geplant. "Der Anteil 'junger Produkte' am Umsatz stieg von 30% in 2013 auf rund 40% in 2015 an", ergänzte Stockmar. 

Aufgrund des schwierigen regulatorischen Umfeldes in Europa sei hier die Forschungsquote des Unternehmens von rund 30% in den 90er-Jahren auf nur noch 7% im Jahr 2013 gesunken. "Die Forschung geht eher nach Nordamerika und Asien", erläuterte Hudetz. Beide Syngenta-Experten hoffen, dass die Diskussionen über die Zulassungsbedingungen wieder mehr wissenschaftlich geführt werden und weniger politisch.

Syngenta, mit Hauptsitz in Basel, ist nach eigenen Angaben Marktführer bei Beizen und sieht sich als derzeitiger Komplettanbieter bei Getreide mit dafür verfügbarem Saatgut sowie entsprechenden Beizen, Herbiziden, Wachstumsregler, Insektiziden und Fungiziden. Das Unternehmen sei führend in der Hybridgerstenzüchtung und bis 2020 soll auch die erste Hybridweizensorte in den USA auf den Markt kommen. Für Europa ist die Marktzulassung 2021 in Ländern mit maritimem Klima geplant und 2022 beziehungsweise 2023 soll es auch Hybridweizen von Syngenta für kältere Wachstumsbedingungen wie etwa in Österreich oder Osteuropa geben. 

Der globale Konzernumsatz hat nach eigenen Angaben im Jahr 2015 rund 13,4 Mrd. USD betragen. Bei konstanten Wechselkursen bedeutet das eine Steigerung um 1% gegenüber dem Vorjahr. Hudetz geht auch für 2016 von niedrigen Preisen für landwirtschaftliche Produkte, instabilen Schwellenmärkten und massiven Wechselkursschwankungen aus. aiz