22.05.2015

Passende politische Rahmenbedingungen fördern Sojaanbau in Donauregionen

Im Rahmen der Konferenz "Gentechnikfreies Europa - Zukunftsaussichten und Chancen" (5. bis 8. Mai) in Berlin fand auch das Donau Soja Ost-West Eiweißforum statt, mit dem der Aufbau einer europäischen und gentechnikfreien Eiweißstrategie durch konkrete Zusammenarbeit von Ost und West vorangetrieben werden soll. Diesmal stand Deutschland im Fokus, das mit einem Jahresbedarf von 5,9 Mio. t Soja der größte EU-Verbraucher ist und mehr als 1 Mio. t importiert. Da die europäische Sojaproduktion steigt - heuer werden schon 2,8 Mio. t in der Donauregion produziert, was 60% der EU-Erzeugung entspricht -, kann diese für Deutschland eine echte Alternative zu Importen aus Übersee werden. Das Donau Soja-Programm zertifiziert europäisches Soja mit den Kernkriterien "regional", "gentechnikfrei" und "nachhaltig".

"Bereits über 3 Mio. ha Soja werden 2015 in der Donauregion (inkl. Ukraine) angebaut - das entspricht bereits mehr als 7,7 Mio. t. In zehn Jahren könnte Europa diese Menge ohne weiteres mehr als verdoppeln. Zusammen mit anderen europäischen Eiweißquellen, dem reduzierten Konsum von tierischem Eiweiß und mehr Importen an zertifiziertem Soja, wie ProTerra, könnte Europa bis 2025 den Umstieg in eine nachhaltige Eiweißversorgung schaffen", ist Matthias Krön, Vorstandsvorsitzender des Vereins Donau Soja, überzeugt.
Heuer ist die Sojafläche gegenüber 2014 um 180.000 ha (mit Ukraine 540.000 ha) gestiegen, allein dieser Zuwachs könnte den österreichischen Bedarf von etwa 600.000 t decken. Prognosen zufolge werden dieses Jahr in der Donau Region, der Ukraine und Frankreich zusammen 7,7 Mio. t dieser Eiweißpflanze erzeugt. Große Hoffnungen setzt man dabei in die nördliche Donau Region: Mitte April startete Donau Soja seine Bemühungen in Polen und der Ukraine.

Der Umstieg Deutschlands
Mit dem Umstieg Deutschlands hin zur europäischen Eiweißversorgung beschäftigte sich ein hochkarätig besetzter Round Table. 5,9 Mio. t Sojabohnen werden in Deutschland jährlich benötigt. Die Nachbarländer entlang der Donau produzieren mehr Soja, doch der Aufbau der Verarbeitung, optimierter Logistikströme, Preisbildungsmodelle und die durchgängige Verfügbarkeit aller nötigen Qualitäten ist noch eine Herausforderung. Bereits ein Großteil der Hühner in Deutschland wird gentechnikfrei gefüttert – weitere Programme werden von den Konsumenten gefordert.
"80% aller deutschen Konsumenten lehnen gentechnisch veränderte Produkte ab. Der Handel muss reagieren", betont Alexander Hissting. Vor allem die Förderung der regionalen Landwirtschaft und die Reduzierung der nicht nachhaltigen Sojaimporte sind für die Umweltorganisation WWF wichtig.
Einigung über europäische Eiweißversorgung
Schulungen, Informationsveranstaltungen und Feldtage vermitteln Wissen über die Zertifizierung von Donau Soja, aber besonders auch über den Sojaanbau generell. Das im vorigen Jahr veröffentlichte Best Practice-Manual wurde in fünf Sprachen übersetzt und beschreibt die besten landwirtschaftlichen Praktiken für einen effektiven und nachhaltigen Sojaanbau. Eine weitere Initiative, welche seit November 2014 besteht, ist für die Entwicklung des Donau Soja Projekts von hoher Bedeutung. Die internationale Arbeitsgruppe unter der Leitung des Umweltbundesamtes harmonisiert Gentechnik-frei-Standards für die gesamte Donau Soja-Region.

Die Verarbeitung der Sojabohnen erfolgt vorwiegend regional - im Gegensatz zum Weizen, der unverarbeitet exportiert wird. aiz