12.03.2015

EU-Parlament fordert rasches Verbot von chemischen, das Hormonsystem beeinflussenden Stoffen

31 Pflanzenschutzmittel wären von Verbot betroffen

Seit Jahren hängen Vorschriften für sogenannte „endokrine Disruptoren“, also Chemikalien, die durch Veränderung des Hormonsystems die Gesundheit schädigen und sich darüber hinaus auch schädlich auf die Umwelt auswirken können, in der Schwebe. Das Europaparlament (EP) forderte die EU-Kommission nun zum raschen Handeln auf.

Zahlreiche Parlamentarier warfen der Kommission am Montag in einer Fragestunde in Straßburg vor, die Gesetzgebung für diese sogenannten endokrinen Disruptoren zu verzögern. Die betroffenen Mittel seien in Spielzeug, Kosmetika und auch in einigen Pflanzenschutzpräparaten zu finden, heißt es. Abgeordnete der Grünen und der Linken führten eine Liste von 31 dieser Pflanzenschutzmittel an, die verboten werden müssten. Andere Parlamentarier wiesen darauf hin, dass es bisher an Belegen für die Schädlichkeit dieser Stoffe fehle. Zwar würden nachlassende Fruchtbarkeit, Fettleibigkeit oder manche Krebsarten mit Umweltchemikalien in Zusammenhang gebracht, aber Genaueres wisse man nicht.

 
EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis rechtfertigte sich mit dem Hinweis, die zuständigen Stellen seien noch mit der Prüfung zugange und diese benötige ihre Zeit. Das EU-Parlament wirft der Kommission vor, diese habe die ursprüngliche Frist für einen Bericht über endokrine Disruptoren im Jahr 2013 verstreichen lassen.
Laut EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)  startete die Europäische Kommission im September 2014 eine Online-Konsultation, die dazu beitragen sollte, Kriterien für „endokrine Disruptoren“ zu definieren, so wie es die EU-Vorschriften zu Bioziden und Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) verlangen. Die Online-Konsultation der Kommission sollte bis zum 16. Januar 2015 laufen, jetzt will die Kommission erst bis 2016 die Risiken definieren und mögliche Verbote aussprechen. Dem Europaparlament ist das aber zu spät. Die Parlamentarier haben sich im letzten Monat dafür entschieden, Schweden dabei zu unterstützen, die Kommission zu verklagen, da sie es verabsäumt habe, gegen diese Stoffe etwas zu unternehmen. aiz/gal