05.03.2015

Drei Krankheiten durch Weizen

Unstrittig, so der Mediziner Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, Mainzer Gastroenterologe, seien die Weizenallergie und die durch Gluten ausgelöste Zöliakie. Beide Krankheiten seien eher selten, sie treten bei weniger als 1–2% der Bevölkerung auf. Die Zöliakie sei klar diagnostizierbar, gewisse Unsicherheiten bestünden noch bei der Weizenallergie.

Schwieriger verhalte es sich mit der Weizensensitivität. „Die Ursache ist entgegen anderslautender Meinungen in Presse, Büchern und Internet wissenschaftlich leider noch nicht geklärt“, so Prof. Schuppan. „Es gibt außer der klinischen Präsentation, oft mit Symptomen außerhalb des Verdauungssystems, und dem Ausschluss einer Zöliakie und Weizenallergie sowie anderer Nahrungsmittelunverträglichkeiten auch noch keine positive Diagnosetechnik.“ Es scheint aber, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Weizen gut vertrage, betont der Experte.

Weizensensitivität: Suche nach den Ursachen

Die Mainzer Wissenschaftler gehen der Frage nach der Ursache der Weizensensitivität gerade auf den Grund. Im Verdacht stehen insbesondere die Alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs), die in Weizen und anderen glutenhaltigen Getreiden vorkommen. Die Forscher erwarten im Laufe dieses Jahres erste klinische Ergebnisse.
„Nicht zutreffend ist aber die oft wiederholte Aussage, dass moderner Weizen mehr ATIs enthalte als alte Sorten“, betont Dr. Longin. „Es scheint eine große Varianz zwischen den Sorten und einen erheblichen Umwelteinfluss zu geben, was aber genauer untersucht werden muss."

Hintergrund: Erkrankungen durch Weizen

  • Zöliakie: Lebenslanger Verzicht auf Weizen

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms und beruht auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Gluten kommt in allen Weizenarten sowie im Roggen, Gerste und Hafer vor. Die einzige Therapie ist der lebenslange Verzicht auf diese Arten. Weniger als 1% der Weltbevölkerung leidet unter Zöliakie. Sie ist mittels Antikörpertest und Darmspiegelung eindeutig diagnostizierbar.

  • Weizenallergie: Selten und eindeutig diagnostizierbar

Das zweite klar umrissene und diagnostizierbare Krankheitsbild ist die Weizenallergie. Hier gibt es verschiedene Ausprägungsformen, es sind allergietypische Symptome bis hin zum anaphylaktischen Schock vorhanden. Auch diese Krankheit ist sehr selten, man geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

  •  Weizensensitivität: Wissenschaftlich akzeptiert, aber Ursache unklar

Die Symptome der Weizensensitivität sind sehr weitläufig – von klassischen Magen-Darm-Beschwerden über Unwohlsein bis hin zu Müdigkeit. Bis zu 8% der Weltbevölkerung sollen betroffen sein. Die Ursachen sind noch nicht geklärt, aber mehrere Hypothesen werden derzeit überprüft.
Ein Auslöser könnten die Alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) sein. Diese Proteine kommen natürlicherweise unter anderem im Weizen vor. Untersuchungen zu den ATIs laufen derzeit.
Ebenfalls in Verdacht steht eine Gruppe von Kohlehydraten sowie mehrwertigen Alkoholen, die sogenannten FODMAPs. Sie kommen in zahlreichen Lebensmitteln wie auch dem Weizen vor. Der wissenschaftliche Beweis, dass FODMAPs die Weizensensitivität auslösen, fehlt bisher aber gänzlich.
Eine weitere Ursache der Weizensensitivität könnte die veränderte Backtechnik im Vergleich zu früher sein. Teige werden heute weitaus schneller produziert ohne längere Teigruhezeiten, in denen im Brotteig Stoffumwandlungen stattfinden können. Darüber hinaus enthalten sie immer mehr Zusatzstoffe.