12.01.2015

Wildschweinplage in Oberösterreich verlangt gemeinsame Strategie

Umfassende Informationskampagne gestartet

Wildschweine verursachen seit Jahren zunehmende Schäden in der europäischen Landwirtschaft. Seit einiger Zeit steigen auch in Oberösterreich gebietsweise die Schadensfälle massiv an. Eine umfassende Informationskampagne in Zusammenarbeit mit Landesregierung, Landesjagdverband und Landwirtschaftskammer OÖ soll in Gesprächen mit den Grundeigentümern und Jägern in den betroffenen Regionen Strategien zur Schadensminderung hervorbringen.

Eine Broschüre über die "Schwarzwildausbreitung in Oberösterreich - Strategien zur Schadensminderung" steht zum Download bereit.

 Wildschweine: Lern- und anpassungsfähig

Wildschweine haben in unseren Breiten keine natürlichen Feinde - nur sehr nasses, kaltes Frühjahrswetter kann ihre ersten Würfe begrenzen. Gleichzeitig sind sie sehr lern- und anpassungsfähig und "entgehen" so den Jägern sehr leicht. Die Jagdberechtigten müssen besonders in der Ebene wegen des fehlenden Kugelfangs immer öfter aus Sicherheitsgründen auf den Schuss verzichten, stellt Brandmayr für seine Waidmänner fest. Die Ansitzjagd ist praktisch bedeutungslos. Die Lockfütterung (Kirren) ist nur in tiefen Wäldern möglich und die Bejagung dort oft ebenfalls erschwert möglich.

Neben den schwerwiegenden Schäden, die Schwarzwild verursachen, gelten Wildscheine auch als potenzielle Seuchenüberträger, wie etwa der Afrikanischen Schweinepest. Dieser Umstand rechtfertigt zusätzlich eine angemessene Dezimierung.

Auch wenn die Steigerung des Wildschweinbestandes bislang schwer bis nicht erfassbar ist, muss doch allein die Entwicklung der Abschusszahlen – obwohl das Erlegen so schwierig ist – als Signal gesehen werden. Wurden 1980 in Oberösterreich nur 89 Wildschweine erlegt, so waren es 2012 mehr als 2.250 Stück und 2013 noch 1.245 Tiere.

Da das Wildschwein aber auch als Allesfresser gilt, ist sein Tisch auch für eine weitere Vermehrung - und damit wieder für Schäden in der Landwirtschaft - reichlich gedeckt. Dabei werden Mais- und Wiesenflächen geradezu umgeackert und konfrontieren die Bauern mit erheblichen Ertragseinbußen. Den Jägern machen Schadensvergütungen und verärgerte Landwirte Sorgen. Eine wirksame Beschränkung des Schwarzwildbestandes liegt aber auch im Interesse der allgemeinen Ernährung, betonen Hiegelsberger, Reisecker und Brandmayr einhellig. (aiz)