20.07.2020

TU Wien forscht an Produktion von Holzdiesel und Holzgas für die Landwirtschaft


Bundesministerin Elisabeth Köstinger hat Anfang Juli einen Waldfonds in Höhe von 350 Mio. Euro zur Unterstützung der heimischen Forstwirtschaft präsentiert. Preisverfall, Trockenheit und Schädlingsbefall sowie ein Einbruch bei Nachfrage und Export von heimischem Holz aufgrund von Corona machen dem Sektor schwer zu schaffen. Eine von den zehn im Waldfonds vorgesehenen Maßnahmen ist ein Forschungsschwerpunkt mit der Errichtung eines Reallabors zur Erzeugung von Holzdiesel und -gas aus Biomasse sowie biogenen Reststoffen für die Land- und Forstwirtschaft. Aus dem Waldfonds sind dafür 30 Mio. Euro vorgesehen. Die Technische Universität Wien (TU) kommt in ihrer dazugehörigen Studie zu dem Schluss, dass die Eigenversorgung der Land- und Forstwirtschaft mit Holzdiesel und -gas technisch möglich ist und es ausreichende Potenziale an Holz gibt. Köstinger überzeugte sich bei einem Besuch der TU Wien von den vielversprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen.

„Der Borkenkäfer wütet in weiten Teilen Österreichs und führt zu enorm hohen Schadholzzahlen. Dieses Rohstoffpotenzial in Österreichs Wäldern wollen wir zukünftig nutzen und biobasierte Treibstoffe forcieren. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag für die Selbstversorgung geleistet, aber es werden auch neue Absatzmöglichkeiten für Schadholz geschaffen“, betonte Köstinger.



Holzernte 2019: 62 % Schadholz



Auch wenn jede Sekunde ein Kubikmeter Holz in Österreichs Wald nachwächst, waren rund 62 % der gesamten heimischen Holzernte 2019 Schadholz. Davon wurden rund 36 % oder 4,3 Mio. Erntefestmeter durch den Borkenkäfer verursacht. Allein in Niederösterreich hat dieser Schädling in den vergangenen Jahren auf einer Fläche von rund 20.000 ha gewütet, das der Hälfte der Fläche der Stadt Wien entspricht. 2020 werden aufgrund der Trockenheit ähnliche Schadholzmengen erwartet, teilt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) mit. Ziel sei es, brachliegende Rohstoffpotenziale aus der Forst- und Holzwirtschaft bestmöglich zu nutzen. Die Erzeugung von Holzgas sowie -diesel, mit einem um 90 % geringeren CO2-Fußabdruck als fossiles Erdgas oder fossiler Diesel, könnte hier eine wichtige Rolle spielen.

Bis 2040 will Österreich aus Erdöl, Erdgas und Kohle aussteigen. In der Land- und Forstwirtschaft können wir dies auf Basis heimischer Technologien und Rohstoffe bis 2035 erreichen. Mit Holzdiesel wird die Versorgung der Bevölkerung sowie der Wirtschaft mit Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen auch danach sichergestellt“, erklärte Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes.

Keine Fahrzeugumrüstung erforderlich


Mit der Errichtung eines Reallabors soll die Herstellung von Diesel und Gas für die Land- und Forstwirtschaft auf Basis von Schadholz, aber auch Waldrestholz, zur Marktreife geführt werden. Das Reallabor mit fünf Megawatt Brennstoffwärmeleistung gilt als wichtiger Zwischenschritt für die ersten Großanlagen. Die Anlage im Maßstab 1:20 soll über alle Komponenten einer Großanlage verfügen. „Aus einem Kilogramm Holz kann ein viertel Liter hochwertiger Kraftstoff oder ein halber Kubikmeter Gas erzeugt werden“, teilte Hermann Hofbauer, Leiter der Forschungsgruppe „Zukunftsfähige Energietechnik“ an der TU Wien, mit. Die Energieeffizienz der Anlagen liege bei etwa 80 %, da die anfallende Abwärme genutzt werden könne. Darüber hinaus ergebe die wirtschaftliche Bewertung für die Ausrollung der Technologie im 100-MW-Maßstab Holzdiesel-Produktionskosten von 1,15 bis 1,40 Euro/l und für Holzgas von 65 bis 80 Euro/MWh. Da es sich bei FT-Diesel (Holzdiesel) um einen „Drop-in“-Kraftstoff handelt, entfällt laut Hofbauer jegliche Umrüstung oder Neuanschaffung des Fuhrparks. (aiz)