16.06.2020

Oberösterreichische Erdäpfelbauern eröffnen die Saison

Die Erdäpfelsaison beginnt in Oberösterreich traditionell im Eferdinger Becken, wo sich die Bauern als Heurigenspezialisten etabliert haben und mittlerweile bereits 30% ihres Erdäpfelumsatzes mit den frühen Sorten erwirtschaften. „Das Eferdinger Becken hat mit dem einzigartigen Kleinklima und den sandigen Donauböden einen Startvorteil. Um diese geografischen Vorteile aber auch nutzen zu können, braucht es innovative Betriebe und eine starke Vermarktung“, betont Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Das heurige Erdäpfeljahr war durch Gegensätze gekennzeichnet. Dem extrem trockenen und warmen April folgte ein nasser und kühler Mai. „Bei den Heurigen kam der Regen zu spät. Jene Betriebe, die bewässern konnten, haben gute Erträge. Bei anderen Betrieben ist der Ertrag gering“, erklärt Manfred Schauer, Obmann Eferdinger Land-Erdäpfel. Auch der Spätfrost im April hatte negative Folgen und so war die Bandbreite des Ertrags so groß wie selten zuvor.

Corona-Krise stärkt Absatz von Speiseerdäpfeln

Die aktuelle Krise hat auch den Erdäpfelmarkt beeinflusst. In Krisenzeiten kommen verstärkt Speiseerdäpfel mit guter Haltbarkeit und hohem Nährwert auf den Speiseplan. Das spürte auch die Erzeugergemeinschaft Eferdinger Landl, sie verzeichnete im März ein Vermarktungsplus von 30%. Der Handel erlebte auch einen unglaublichen Österreich-Patriotismus bei Erdäpfeln. Auch der Trend zu bäuerlichen Erzeugnissen aus der Direktvermarktung wurde durch die Krise verstärkt. „Die Konsumenten wünschen sich Regionalmarken mit Identität. Wir haben jahrzehntelang eine Marke aufgebaut, hinter der die Bauern und nicht ein Großhändler oder eine Handelskette stehen. Der Erfolg gibt uns Recht, und besonders während der Corona-Krise gewannen wir neue Kunden dazu“, kann Schauer dieser Krise auch Positives abgewinnen. Die Anbauflächen sind, besonders bei Speiseerdäpfeln, in den Vorjahren allgemein gesunken. Die Entwicklung in den oberösterreichischen Anbauregionen läuft gegenteilig, hier wurde der Erdäpfelanbau durch die Gründung von Erzeugergemeinschaften und die Direktvermarktung über die Handelsorganisationen attraktiver.

„Aktuell zählt die EZG Eferdinger Landl-Erdäpfelbauern 35 Mitglieder - Tendenz steigend. Begonnen hat man vor 18 Jahren mit sieben Betrieben. Auch die Durchschnittsfläche eines Betriebes im Eferdinger Becken war vor 20 Jahren nur halb so groß wie heute mit 8 ha“, so Geschäftsführer Ewald Mayr.

Die Erzeugergemeinschaft verfolgt beim Ausbau ihrer Produktpalette ein wesentliches Ziel: Jene Erzeugnisse, die nicht aus der Region kommen oder importiert werden, durch regionale Ware zu ersetzen. Davon profitieren der Konsument, die Region und somit auch der Bauer sowie nicht zuletzt die Umwelt. Unter der Marke „Eferdinger Landl“ bieten die Mitgliedsbetriebe neben Erdäpfeln auch Karotten, Zwiebel, Zwiebelraritäten (Bananenzwiebel, Schalottenzwiebel) und Stangensellerie an. Besonders beliebt sind mittlerweile die Radieschen und der Jungknoblauch. Beliefert werden alle Handelsketten außer Lidl und Penny. 2019 vermarktete die Erzeugergemeinschaft Gemüse um 2,7 Mio. Euro über den Lebensmitteleinzelhandel. Der größte Umsatzträger ist weiterhin der Erdapfel mit 2 Mio. Euro. Mittlerweile trägt jedoch auch das Gemüse mit einem Umsatzanteil von 25% einen großen Anteil am Unternehmenserfolg bei. (aiz)