19.05.2020

OÖ: Neuer Versicherungsschutz deckt Restrisiken für den Alm- und Weidebetrieb ab

Anlässlich des Kuh-Urteils am 12. Mai 2020, bei dem der Oberste Gerichtshof im Fall des tragischen Todesfalles durch eine Kuhattacke im Tiroler Pinnistal im Jahr 2014 die Teilschuld der Hundehalterin als auch des Landwirtes bestätigt hat, legt der OÖ Almverein und die OÖ Versicherung nun eine Versicherungslösung zur Deckung verbleibender Risiken vor. „Ein gutes Miteinander braucht gegenseitige Rücksichtnahme und im Fall der Fälle auch ein Sicherheitsnetz. Dieses haben wir mit der 'Tierhalterhaftpflicht für Mitglieder des OÖ Almvereins' nun aufgespannt, finanziert durch das Land OÖ“, erklärt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Die zwischen dem OÖ Almverein und der OÖ Versicherung abgeschlossene Versicherung sieht einen Haftpflichtschutz von 2,5 Mio. Euro pro Versicherungsfall ergänzend zur landwirtschaftlichen Haftpflicht am Hof des Almbauern vor. „Der subsidiäre Versicherungsschutz bringt einen umfassenden Lückenschluss für Alm- und Weidebetrieb. Alle denkbaren Varianten sind abgedeckt. Das war notwendig, da auf den Almen zumeist Tiere von mehreren Betrieben gehalten werden. Die Betreuung erfolgt daher oftmals nicht durch die Eigentümer der Tiere“, so Hiegelsberger.

Die Versicherungsleistungen im Detail

Die Versicherung übernimmt für den Almbauern sämtliche Kosten von Anwalt, Gerichten und Sachverständigen zur Klärung der Verschuldensfrage. Bei Verschulden des Tierhalters und Verpflichtung zu Schadenersatz sowie Schmerzensgeld tritt die Haftpflichtversicherung für den Almbauern ein und übernimmt die Zahlungen. Versichert sind die Mitglieder des OÖ Almvereins mit ihren Almen und Heimweiden in Oberösterreich oder in angrenzenden Bundesländern gelegen. Versichert sind Haftpflichtschäden aus der Weideviehhaltung, egal wer Eigentümer des aufgetriebenen Viehs ist, sowie der tatsächliche Tierhalter, also wer im konkreten Fall die Herrschaft über das Verhalten des Tieres ausübt.

Eigenverantwortung auf der Alm wahrnehmen

Freilaufsysteme verringern den Kontakt zwischen Tieren und Menschen. Derart gehaltene Rinder seien den Umgang mit Menschen weniger gewohnt und könnten beim unmittelbaren Kontakt nervöser reagieren. „Angesichts der steigenden Anzahl an Wanderern und Bergsteigern sollten sich diese ihrer Verantwortung auf der Alm bewusst sein“, so Hiegelsberger. Die Zeit auf der Alm stärke nachweislich die Gesundheit und Robustheit der gealpten Tiere und erfülle damit höchste Tierwohl-Ansprüche.

Almwirtschaft unter Druck

„Unsere Almbauern pflegen durch die Offenhaltung der Landschaft unsere international bekannte alpine Kulturlandschaft. Wir erfüllen damit auch einen klaren, gesellschaftlichen Auftrag. Die Gastlichkeit der Almwirtschaft und die einzigartige Kulturlandschaft sind ein wichtiger Faktor im Tourismus und der regionalen Wirtschaft“, so Johann Feßl, Obmann des OÖ Almvereins. Die Almwirtschaft stehe aber aus vielerlei Gründen auch unter Druck: „Moderne Freilauf-Stallsysteme ersetzen oftmals den traditionellen Auftrieb im Sommer, und für die arbeitsintensive Zeit auf der Alm fehlt zunehmend das Personal. Höhere Preise für Bergprodukte lassen sich eigentlich nur im direkten Verkauf auf der Alm erzielen. Es wirken viele Faktoren zusammen, die im Ganzen leider einen Rückzug der Almbauern verursachen. Deshalb ist die Absicherung gegen rechtliche Risiken ein wichtiger Schritt“, unterstreicht Feßl.

„Unsere regional produzierten Lebensmittel können wir in Zukunft sicher noch stärker als Alleinstellungsmerkmal der Bergregionen nutzen. Auf der Alm erlebt man den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft mit ihren hochqualitativen Lebensmitteln sowie dem Mehrwert für die Erholung und den Tourismus direkt. Wir bemühen uns daher laufend, den Einkauf regionaler Lebensmittel auch in den Wirtshäusern und den Hütten der Alpinvereine weiter zu stärken. Das gute Zusammenspiel zwischen Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus lässt eine regionale Identität entstehen“, so Feßl.

Pünktlich zum Beginn der Almsaison können mit der Wiedereröffnung der Gastronomie ab 15. Mai auch auf den Almen Bewirtungen unter Einhaltung der allgemein geltenden Beschränkungen starten. (aiz)