31.03.2020

Corona: BOKU an Einführung eines neuen US-Antikörpertests beteiligt

Unter der Leitung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) startet in dieser Woche ein Team heimischer Universitäten mit der Herstellung notwendiger Komponenten für einen Immuntest im Kampf gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Virologe Florian Krammer, der bis 2009 am Department für Biotechnologie an der BOKU beschäftigt war und heute an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York forscht, hat unlängst den ersten nicht kommerziellen Antikörpertest entwickelt, mit dem bestimmt werden kann, ob eine Person bereits eine Immunreaktion auf das SARS-CoV-2-Virus hatte. „Aktuell werden in Österreich sogenannte PCR-Tests durchgeführt, bei denen nach dem Erbgut von SARS-CoV-2 gesucht wird, die aber keine Aussage darüber liefern, ob jemand die Erkrankung bereits durchgemacht hat und damit immun gegen Corona ist“, betont Reingard Grabherr, Leiterin des Departments für Biotechnologie an der BOKU. Ein Antikörpertest würde darüber Aufschluss geben. BOKU stellt Proteine für österreichweite Schnelltests her Noch in dieser Woche treffen die für den Test notwendigen Werkzeuge aus den Vereinigten Staaten an der BOKU ein. „Und dann können wir loslegen: Wir beginnen mit der Herstellung relevanter Oberflächenproteine des Coronavirus, um einen sensitiven und spezifischen Antikörpertest zu entwickeln. Am Department für Biotechnologie arbeiten wir dafür mit tierischen und bakteriellen Zellsystemen, während Kollegin Eva Stöger am Department für Angewandte Genetik und Zellbiologie Pflanzen als Produktionssystem verwendet“, so die BOKU -Virologin Grabherr. Unterstützt wird die BOKU von der Vetmeduni und dem IMP (Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, Wien), die sehr viel Erfahrung beim Aufbau sogenannter ELISA-Tests (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) haben. Auch die Medizinische Universität Wien (MedUni) und Forscher an der Universität Salzburg werden ihre Expertise einbringen. „In einem ersten Schritt arbeiten wir gemeinsam an einer schnellen, skalierbaren Produktionsplattform, um die Oberflächenproteine des Coronavirus in ausreichender Menge und gleichbleibender Qualität zu liefern.“ Mit Hilfe dieser Proteine können in Folge verschiedene Labors in Österreich gleichzeitig Schnelltests aufsetzen und durchführen. „Wir werden diese Tests lange brauchen und eventuell auch für das Ausland verfügbar machen. Es ist unerlässlich, mehr zu testen, sowohl mit PCR-Tests als auch mit Antikörpertests“, so Grabherr. Um auch die aktuell durchgeführte PCR-Testrate zu erhöhen, steht die BOKU mit vielen anderen Institutionen in Kontakt und stellt unter anderem PCR-Geräte und ihre Expertise dem Ludwig Boltzmann-Institut am Lorenz Böhler-Krankenhaus, dem IMP (Institut für Molekulare Pathologie) oder der AGES (Arbeitsgemeinschaft für Gesundheit und Ernährungssicherheit) als Unterstützung zur Verfügung. (aiz)