17.12.2019

Moosbrugger: Green Deal nur gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern

„Die Europäische Kommission hat in der Vorwoche den Green Deal präsentiert. So soll die EU bis 2050 klimaneutral sein, also keine zusätzlichen Treibhausgasemissionen erzeugen. Das Wirtschaftswachstum soll von der Ressourcenverwendung entkoppelt werden, was bedeutet, dass zusätzliches Wachstum nicht zusätzliche Ressourcen verbrauchen soll. Weiters gilt es, das Naturkapital der EU zu schützen und über Importe nicht die Erzeugung von Treibhausgasen, Artenverlust oder gar Sozialdumping in anderen Teilen der Welt zu fördern. Schließlich sollen diese Veränderungen sozial verträglich gestaltet werden. Im Bereich Ernährung soll der Green Deal die Eigenversorgung mit regionalen, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln forcieren. Weiters sollen die Bioökonomie und die Ökosystem-Dienstleistungen gestärkt werden, weil nur die Land- und Forstwirtschaft imstande ist, netto Kohlenstoff zu speichern. Deshalb kann eine erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie nur gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern erfolgen“, erklärte Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger zur Präsentation des Green Deal.

„Die Land- und Forstwirtschaft kann durch regionale Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Rohstoffen einen wesentlichen Beitrag zum Green Deal leisten, wenn die Rahmenbedingungen dafür richtig gesetzt werden. Das bedeutet, dass die mit der Produktion verbundenen Leistungen abgegolten werden müssen. Dies muss einerseits über die Märkte und andererseits über die öffentliche Hand erfolgen. Denn die öffentliche Hand gilt Mehrleistungen der Landwirtschaft ab, die zwar, wie gesunder Boden, Biodiversität, Tierwohl, sauberes Wasser oder gepflegte Landschaft, im Sinne der Gesellschaft, jedoch nicht marktfähig sind. Die Absicht der Europäischen Kommission, das nächste GAP-Budget zu kürzen, ist gerade unter diesen Vorzeichen unlogisch und nicht nachvollziehbar“, stellte Moosbrugger fest.

Ernährungssicherung

Im Bereich der Ernährungssicherung werden mehrere Schritte gesetzt werden. So ist vorgesehen, eine Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln umzusetzen. Diese muss vollständig sein und liefert so die Grundlage für einen geplanten Klimazoll-Mechanismus. Darüber hinaus muss die Verschwendung bereits konsumfertiger Lebensmittel um 90 % verringert werden. Weiters sollen in internationalen Handelsabkommen EU-Produktionsstandards als rote Linien verankert werden. Nach Vorstellungen des Green Deal soll der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Antibiotika reduziert werden. „Die europäischen und österreichischen Landwirte sind dazu bereit, entstehende Mindereinnahmen sind auszugleichen, doch darf die Produktionsfunktion der Landwirtschaft nicht gefährdet werden“, verlangte Moosbrugger und ergänzte ganz klar: „Wir brauchen Maßnahmen mit Hausverstand. Es kann ja nicht sein, dass die Produktion in der EU, wo von der Landwirtschaft höchste Standards verlangt werden, sinkt und dann zur Ernährung der EU-Bürgerinnen und -Bürger aus Ländern importiert werden muss, die solche Standards nicht einmal in Ansätzen kennen. Das wäre das glatte Gegenteil vom Green Deal.“

Digitalisierung

„Mittlerweile verbrauchen alle Computer dieser Welt genauso viel Energie und erzeugen ebenso viele CO2-Emissionen wie der gesamte Flugverkehr. Zwar trägt die weiter fortschreitende Digitalisierung zur Effizienzsteigerung in allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen bei, doch gilt es, den Ausbau der Digitalisierung nur noch klimaneutral voranzutreiben“, verlangte Moosbrugger weiter.

Forstbereich


„Der Green Deal hat sich die nachhaltige Erhaltung und Wiederherstellung der Wälder zum Ziel gesetzt. Das funktioniert jedoch nur mit einer aktiven, nachhaltigen und klimawandelangepassten Waldbewirtschaftung. Damit eröffnet sich ein großes Potenzial, um CO2 aus der Luft im wachsenden Wald und langfristig in Holzprodukten zu speichern sowie fossile durch erneuerbare Ressourcen zu ersetzen. Wir müssen die fossile Energie beziehungsweise die fossilen Rohstoffe durch erneuerbare ersetzen. Nur das ist die Zukunft. Das ist auch gelebte Nachhaltigkeit, denn die alleinige Speicherung von Kohlenstoff im Wald greift viel zu kurz“, so Moosbrugger abschließend. (aiz/ots)