17.12.2019

Billa bietet ab zweitem Quartal 2020 ausschließlich österreichisches Frischfleisch an

Die österreichische Lebensmittelhandelskette Billa stellt im Laufe des zweiten Quartals 2020 sein Frischfleisch-Sortiment auf 100 % heimische Qualitätsware um. Das bedeutet, dass künftig Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch in der Billa-Frischfleischtheke ausschließlich von Landwirten in Österreich erzeugt wurde. Bereits jetzt habe der Lebensmittelhändler in seinen 1.100 Filialen Rind- und Schweinefleisch annähernd zu 100 % aus heimischer Produktion angeboten, bei Hühnerfleisch seien es aktuell 90 %. Den größten Aufholbedarf gebe es bei Putenfleisch, wo zurzeit nur 40 % aus heimischer Produktion stammen, die restlichen 60 % würden derzeit noch überwiegend aus Italien und Polen importiert, teilte heute Robert Nagele, Vorstandssprecher der Billa AG, mit.

„Billa geht mit der geplanten Initiative einen großen und mutigen Schritt voraus. Für die Landwirtschaft ist es eine Chance, sich mit dem Handel auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln und in Produktionsbereichen mit einem geringeren Selbstversorgungsgrad, wie das etwa beim Geflügel der Fall ist, zu wachsen. Die Umstellung bedeutet für die Konsumentinnen und Konsumenten genießen mit gutem Gewissen, da sie beim Fleischeinkauf noch mehr Sicherheit und Verlässlichkeit erhalten. Gleichzeitig sind weniger Importe aus dem Ausland ein aktiver Schritt für mehr Klimaschutz, da der Kauf regionaler Lebensmittel eine nachhaltige und klimafreundliche Landwirtschaft sichert und die beste Investition in eine gepflegte Landschaft ist“, unterstrich Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. „Internationale Studien belegen, dass Österreichs tierische Erzeugung bereits heute effizient, klima- und ressourcenschonend erfolgt. Wer also beim Einkauf Regionalität bevorzugt, betreibt aktiven Klimaschutz."

Konsumentenvertrauen ausbauen

Billa will für die Initiative einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag beisteuern. „Wir verzichten auf einen Teil des Rohertrags und der Preisspanne, weil wir die Konsumenten für den Kauf heimischer Produkte ermutigen und das Angebot langfristig sicherstellen wollen“, führte Nagele aus. Auch der aktuelle Preis für österreichische Pute von 12,99 Euro pro kg sowie der Erzeugerpreis sollen damit gesichert werden. Zum Vergleich: Importiertes Putenfleisch kostet laut Billa 7,99 Euro pro kg. Derzeit müssten noch Produktionskapazitäten in der Landwirtschaft aufgebaut werden, weshalb die Umsetzung erst im zweiten Quartal 2020 erfolge. Soweit möglich, soll der Anspruch auf österreichische Produktion auch für tiefgefrorene Ware gelten. In den anderen zur Rewe-Group zählenden Tochterunternehmen wie Merkur, Adeg und Penny sind vorerst keine derartigen Schritte geplant.

„Billa will mit der Initiative das Konsumentenvertrauen ausbauen, in einem Schulterschluss mit der österreichischen Landwirtschaft das Segment stärken und die Gestaltung der ländlichen Lebensräume sicherstellen sowie ein Signal in Richtung Klimaschutz und Tierwohl senden. Die österreichische Landwirtschaft leistet mit ihren sehr hohen Standards einen besonderen Beitrag für mehr Tierwohl“, betonte Nagele. Billa übernehme mit der jüngsten Initiative eine „Vorreiterrolle“, wie schon damals, als der Lebensmittelhändler als erster Supermarkt Käfigeier aus den Regalen verbannt habe. Absatzschwierigkeiten aufgrund der höheren Preise für heimische Ware erwartet der Billa-Vorstandssprecher keine. „Wir haben im Bio-Segment sehr hohe Anteile erreicht und sind zuversichtlich, dass künftig die Konsumenten auch beim Fleisch bereit sein werden, für österreichische Herkunft und höhere Qualitätsbelange mehr zu bezahlen.“

Erhebliche Reserven in der Geflügel- und Putenmast

Adolf Marksteiner, Marktexperte in der LK Österreich, sieht in der heimischen Geflügel- und Putenmast erhebliche Reserven. „Es besteht die Chance, allein durch eine bessere Auslastung der Ställe, die heimische Produktion wieder in die Höhe zu fahren“, so Marksteiner. In Österreich erzeugen aktuell 165 landwirtschaftliche Betriebe 20.000 bis 22.000 t Putenfleisch pro Jahr. Marksteiner hält hier eine Produktionssteigerung um 10-20 % mit den bestehenden Kapazitäten für „realistisch“.

Moosbrugger sieht in der Putenmast eine gute Chance für landwirtschaftliche Betriebe, die nach Alternativen suchen oder sich in Erwerbskombinationen ein zusätzliches Standbein schaffen wollen, wie es häufig mit der Eierproduktion der Fall war. „Wenn die Putenmast wirtschaftlich eine vernünftige Basis bietet, wird künftig auch diese für die Landwirte interessant sein“, so der LK Österreich-Präsident. (aiz)