16.12.2019

LK OÖ zu Glyphosat: Import behandelter Lebensmittel statt Anwendung verbieten

„Der allgemeine Erregungszustand beim Thema Glyphosat führt offenbar dazu, dass die sachliche Auseinandersetzung beeinträchtigt wird und intelligente Argumente sowie inhaltliche Zusammenhänge keine Rolle mehr spielen. Anders ist der skurrile Entschließungsantrag, der diese Woche im Parlament zum Thema Glyphosat eingebracht wurde, nicht zu erklären“, betont Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Der neuerliche Vorstoß, Glyphosat - trotz gültiger EU-Zulassung sowie entgegen rechtlicher Bedenken des Bundeskanzleramtes - ausschließlich in Österreich zu verbieten, wurde mit Studienergebnissen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) begründet, wonach der Wirkstoff Glyphosat in Nahrungsmitteln oder Alltagsprodukten nachgewiesen werden konnte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Glyphosat hingegen als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

„Genau das, nämlich Glyphosat in Windeln oder im Bier, wird aber ein österreichisches Inverkehrbringungsverbot für den Herbizidwirkstoff nicht verhindern. Denn in Windeln vorkommende Glyphosat-Spuren stammen aus der Baumwolle - mit Sicherheit kein österreichisches Produkt. Glyphosat-Spuren im Bier wiederum kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit von ausländischer Braugerste, die mit dem Wirkstoff zur Erntebeschleunigung behandelt wurde. Diese Behandlung ist in Österreich seit Jahren verboten. Beides also Themen, die mit der Wirkstoff-Anwendung in Österreich nicht das Geringste zu tun haben. Verhindern könnte man Glyphosat in Windeln oder Bier nur mit strikten flächendeckenden Kontrollen an der Grenze und Importverboten. Gesetzesinitiativen dieser Art kann man selbst bei positiver Bewertung nur mehr unter der Rubrik 'Populismus' einordnen“, stellt Langer-Weniger klar.

Die Dramatik liege aber darin, dass damit die heimischen Bauernfamilien erneut einem massiven wirtschaftlichen Wettbewerbsnachteil ausgesetzt würden und vor allem erosionsschützende Maßnahmen zurückgedrängt werden. „Schon die derzeitigen Anwendungsregelungen in Österreich stellen sicher, dass der Pflanzenschutzwirkstoff Glyphosat keinesfalls in österreichische Lebensmittel gelangen kann. Um die im Nationalratsantrag angeführten Ziele zu erreichen, wäre daher kein Anwendungsverbot in Österreich, sondern ein generelles Importverbot für mit Glyphosat behandelte Lebensmittel zu beschließen. Auch ein derartiges Verbot müsste wohl auf EU-Ebene geregelt werden“, zeigt Langer-Weninger auf. (aiz)