16.12.2019

Deutsche Wissenschafter empfehlen neues europäisches Gentechnikrecht

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Juli 2018 - wonach alle Organismen, die durch Verfahren der Genomeditierung wie CRISPR/Cas verändert wurden, unter die rechtlichen Regelungen für genetisch veränderte Organismen (GVO) fallen - erschwere die Erforschung, die Entwicklung und den Anbau verbesserter Nutzpflanzen, die für eine produktive, klimaangepasste und nachhaltigere Landwirtschaft dringend erforderlich seien. Das erklärten in Deutschland die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einer Stellungnahme.

Leopoldina, Akademienunion und DFG formulieren darin Empfehlungen, um eine wissenschaftlich begründete Regulierung genomeditierter Pflanzen in der EU zu erreichen. Unter anderem empfehlen sie die Novellierung des Europäischen Gentechnikrechts. So sollte als kurzfristige Maßnahme die Definition von GVO dahingehend überarbeitet werden, dass genomeditierte Pflanzen nicht als GVO gelten, wenn keine artfremde genetische Information enthalten ist - in Analogie zu mit konventionellen Züchtungsmethoden veränderten Pflanzen.

Ebenso sollte es sich nicht um einen GVO handeln, wenn eine Kombination von genetischen Informationen vorliegt, die sich auch auf natürliche Weise oder mit konventionellen Züchtungsmethoden ergeben könnte. Langfristig sei aber nur ein völlig neuer Rechtsrahmen konsequent, heißt es in der Stellungnahme laut Dow Jones News. Dieser sollte bei der Beurteilung von Risiken für Mensch und Umwelt nicht auf die Verfahren abstellen, mit denen neue Sorten erzeugt werden, sondern auf deren neuartige Merkmale.

Verbesserte Nutzpflanzen schneller entwickeln

Mittels Genomeditierung können den Wissenschaftern zufolge verbesserte Nutzpflanzen schneller und zielgerichteter gezüchtet werden als bisher. Die Veränderungen, die die neuen Sorten im Erbgut tragen, könnten jedoch häufig auch zufällig oder durch konventionelle Züchtungsmethoden entstehen. Zudem könne der Ursprung der genetischen Veränderung häufig keinem Züchtungsverfahren zugeordnet werden. Die pauschale Einordnung genomeditierter Pflanzensorten als GVO sei deswegen unbegründet und unpraktikabel, unterstreichen die Wissenschaftsakademien und die DFG in ihrer Stellungnahme mit dem Titel „Wege zu einer wissenschaftlich begründeten differenzierten Regulierung genomeditierter Pflanzen in der EU“. (aiz)