19.11.2019

Salzburger Almsommer 2019 stand auf Messers Schneide

„Salzburgs Almen sind fester Bestandteil des Wirtschaftsraumes und der Kulturlandschaft. Unsere Almbauern und Senner sind es, die diesen Schatz mit viel Aufwand sowie Mühe pflegen und ihn so für uns alle erst nutzbar machen. Man kann es nicht oft genug sagen - ohne Beweidung durch Rinder, Pferde, Schafe oder Ziegen würde es Almen, so wie wir sie kennen, nicht geben“, erklärte der Obmann des Salzburger Alm- und Bergbauernvereines, Silvester Gfrerer. Er überreichte gestern Urkunden für mehr als 20 Almsommer an 37 Sennerinnen und Sennern aus dem Lungau. „Diese Menschen verdienen unsere Wertschätzung. Sie sind auf den Hochglanzprospekten der Tourismuswerbung kaum zu sehen, und doch sind sie es, ohne die in den Bergen gar nichts gehen würde.“

Almsommer hat spät begonnen und musste beinahe abgebrochen werden

Gfrerer zog beim Almbauerntag auch Bilanz über das heurige Jahr: „Wir dürfen mit dem Almsommer zufrieden sein. Wir sind weitgehend von gröberen Unwettern verschont geblieben und dafür können wir dankbar sein.“ Durch den vielen Schnee erfolgte der Auftrieb um rund drei Wochen verspätet. Die Trockenheit im Frühsommer hätte beinahe dazu geführt, dass man die Tiere bereits wenige Wochen nach dem Auftrieb wieder von den Almen hätte holen müssen. „Es stand letztendlich auf Messers Schneide. Doch das Wetter hat mitgespielt, der Regen ist gekommen, und im Herbst hat es keine verfrühten Wintereinbrüche gegeben. Damit konnte das Defizit aus dem Frühjahr weitgehend ausgeglichen werden“, so Geschäftsführer Gottfried Rettenegger.

Der Wolf hat einigen Almbauern den Sommer vermiest

Deutlich vermiest wurde der Almsommer allerdings durch den Wolf. Im Großarl- und im Gasteinertal sowie zuletzt in Lend-Embach mussten heuer zahlreiche Almbauern teils massive Tierverluste durch den Wolf hinnehmen. Kein Wunder, dass dieses Thema ein großer Aufreger war und ist. „Auch wenn uns das viele Außenstehende immer weismachen wollen, so gibt es doch keinen wirksamen Schutz vor Wölfen. Unsere Forderung nach dem Abschuss von Problemwölfen hat sich nach dem heurigen Almsommer noch verstärkt, weil wir sehen, dass es in der Almwirtschaft keine praktikable Möglichkeit für eine Koexistenz gibt“, so der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Salzburg, Rupert Quehenberger. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Arbeit unserer Bauern und Almleute zunichtegemacht wird, nur weil der Schutz der Wölfe über dem unserer Nutztiere steht. Wer das gutheißt, der soll sich endlich selbst ein Bild von der Bedeutung der heimischen Almwirtschaft machen, hier steht viel mehr als nur das Einkommen einiger Bergbauern auf dem Spiel“, warnt Quehenberger mit Nachdruck. Er begrüßt daher auch das Bemühen, Almprodukte als solche besser zu kennzeichnen und sie in der Vermarktung sichtbarer zu machen. „Diese Erzeugnisse sind unter schwierigsten Bedingungen entstanden und haben besondere Aufmerksamkeit verdient.“

Arbeit auf der Alm ist hart und entbehrungsreich


„Die Gäste kennen die heimischen Almen nur bei schönem Wetter. Die tägliche Arbeit dort ist jedoch hart und entbehrungsreich. Nur mit großem Fleiß und Hingabe ist sie auch zu bewerkstelligen. Die Almbauern tragen mit ihrem Engagement wesentlich dazu bei, dass der ländliche Raum mit seiner Kulturlandschaft auch für die nächsten Generationen erhalten bleibt“, spricht Agrarlandesrat Josef Schwaiger seine Wertschätzung aus. „Das Salzburger Land mit seiner unverwechselbaren Landschaft wäre ohne bewirtschaftete Almen ein völlig anderes. Ich bedanke mich herzlich bei den Almleuten für ihre Verdienste um die Almwirtschaft und die Landeskultur“, sagte Schwaiger. (aiz)