19.11.2019

Steiermark: Neues Boden-Humus-Zentrum hilft Klimawandelschäden zu entschärfen

„Ein humusreicher Boden speichert Wasser, er schützt die Pflanzen besser vor Trockenheit, die Böden vor Starkregen, Abschwemmung sowie Erosionen, und er ist ein wichtiger Speicher von klimaschädlichem CO2“, unterstrich heute der steirische LK-Präsident Franz Titschenbacher. Um die Rolle der Landwirtschaft als Teil der Lösung weiter zu stärken, hat die Landwirtschaftskammer ein neues Boden-Humus-Zentrum in Feldbach eingerichtet. Vier erfahrene Boden-Experten treiben gemeinsam mit vielen engagierten Bauern den klimafitten Ackerbau voran. Die Schwerpunkte dabei: Erstens die Humusvermehrung durch Begrünungen und Zwischenfrüchte, die auch als Bienen- und Insektenweiden dienen sowie Regenwürmer fördern, zweitens die gezielte Fruchtfolge, drittens eine schonende Bodenbearbeitung und viertens die Verwendung von Wirtschaftsdünger und Kompost.

Boden hat enorme Bedeutung als CO2-Speicher

„Hauptverursacher des Klimawandels ist das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle. Die Landwirtschaft hat als einziger produzierender Sektor die Emissionen gesenkt und aktuell lediglich einen Anteil von 10 %, die durch natürliche Prozesse entstehen“, stellte LK-Vizepräsidentin Maria Pein klar und hob die Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft als Problemlöser hervor. So können Böden 250 bis 500 kg Kohlenstoff je ha und Jahr speichern. „Dies wird beispielsweise durch den Anbau von Zwischenfrüchten unmittelbar nach der Ernte erreicht, wenn die Ernterückstände am Acker bleiben. Dabei arbeitet das vielfältige Bodenleben wie ein Uhrwerk zusammen und steigert den Humusgehalt pro Jahr um rund 0,1 %“, erläuterte die Vizepräsidentin. Die Praxis zeigt, dass schon nach wenigen Jahren die Bodenfruchtbarkeit bemerkenswert steigt und der Aufwand wirtschaftlich vertretbar ist. Pein gratulierte den Bauern in der Südoststeiermark: Hier werden im heurigen Winter voraussichtlich 15.500 ha oder 41 % der Ackerfläche begrünt sein.

Klimafitter Ackerbau als Ziel

„Die Grundlage unserer Arbeit sind fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen von erfolgreichen Bauern. Wundermittel für Böden werden keinen Eingang in unsere Arbeit finden“, sagte Johannes Maßwohl, Leiter des Boden-Humus-Zentrums. „Neben Beratungen der Bauern organisieren wir auch Veranstaltungen zum klimafitten Ackerbau. Bereits am 20. November findet die nächste Veranstaltung über gesunde Böden in der Fachschule Hatzendorf statt“, kündigte Maßwohl an.

„Ein Hektar früh angebaute Sommerbegrünung nach Getreide speichert etwa den durchschnittlichen CO2-Ausstoß eines Österreichers von 9,2 t pro Jahr. Um den CO2-Ausstoß der Bewohner der Bezirkshauptstadt Feldbach zu kompensieren, sind rund 13.000 üppige Begrünungen notwendig. Und wenn sogar das Getreidestroh am Feld bleibt, ist nur eine begrünte Fläche von 8.500 ha notwendig“, erläuterte Günther Rauch, Obmann der Bezirkskammer Südoststeiermark. (aiz)