18.11.2019

Auf heimische Biobauern kommen neue Rahmenbedingungen zu

Die österreichischen Biobauern müssen sich in den kommenden Monaten und Jahren insbesondere im Bereich der Tierhaltung auf geänderte Rahmenbedingungen einstellen. Die Gründe dafür sind die neue, ab dem Jahr 2021 gültige EU-Bioverordnung und das noch laufende Audit der EU-Kommission, das bestimmte Anpassungen, vor allem in der Weidehaltung, bereits ab 2020 notwendig macht. Dies teilten Experten des Landwirtschafts- und des Gesundheitsministeriums, der Landwirtschaftskammer (LK) und von Bio Austria mit.

„Die Biolandwirtschaft ist in Österreich eine echte Erfolgsgeschichte. Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) fördert im Rahmen der Ländlichen Entwicklung die biologische Wirtschaftsweise mit verschiedenen Maßnahmen. So sind im Agrarumweltprogramm ÖPUL jährlich 187 Mio. Euro, bei den Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete 70 Mio. Euro und bei den Investförderungen rund 10 Mio. Euro für Biobetriebe vorgesehen“, informierte Sektionsleiter Johannes Fankhauser. Der Anteil der Bioflächen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche sei 2019 mit 25 % auf ein historisches Rekordniveau gestiegen. Mittlerweile produzierten hierzulande mehr als 24.000 Betriebe biologische Lebensmittel in höchster Qualität, so Fankhauser. Das Bio-Aktionsprogramm lege den strategischen Rahmen für die Weiterentwicklung dieses Sektors im Einklang mit der Marktentwicklung in Österreich fest. In den kommenden Jahren kämen auf die Biobetriebe aber auch geänderte rechtliche Rahmenbedingungen zu.

„Am 1. Jänner 2021 wird eine neue EU-Bio-Verordnung in Kraft treten. Der Basisrechtsakt wurde bereits beschlossen, die Durchführungsverordnungen werden derzeit erarbeitet. Auch ein noch laufendes Audit der EU-Kommission aus dem Jahr 2017, das die bestehende Bio-Verordnung betrifft, bestätigt die notwendigen Anpassungen“, informierte Ulrich Herzog, Sektionsleiter-Stellvertreter für Lebensmittel-, Medizin- und Veterinärrecht im Gesundheitsministerium. Im Rahmen des Bio-Audits gab die EU-Kommission Empfehlungen zu Nachbesserungen in verschiedenen Bereichen und strich auch einige bisher geltende Ausnahmen, wobei in manchen Fragen noch Klärungsbedarf besteht.

Besonderer Änderungsbedarf in der Weidehaltung

Neben den strengeren Kontrollen des Lebensmitteleinzelhandels sind von den Anpassungen vor allem die landwirtschaftlichen Betriebe und hier wiederum die Tierhalter betroffen. Ein besonderer Änderungsbedarf ergibt sich in der Weidehaltung: Ab dem Jahr 2020 muss jeder Biobetrieb, der Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde hält, diesen Tieren Zugang zur Weide ermöglichen.

„Aus heutiger Sicht ist davon auszugehen, dass ab dem kommenden Jahr ein überwiegender Teil der Tiere auf der Weide gehalten werden muss. Gleichzeitig werden einige Kriterien bei der Berechnung der Weideverpflichtung geändert. Die Entfernungen und die Erreichbarkeiten der Weideflächen können nicht mehr als Ausschließungsgrund für die Weideverpflichtung berücksichtigt werden. Ackerflächen werden künftig bis zu einem bestimmten Prozentsatz in die weidefähigen Flächen miteinbezogen“, so Herzog. Weitere Änderungen betreffen die Ausgestaltung von Auslaufflächen, insbesondere hinsichtlich Überdachung. Eingriffe bei Tieren, wie etwa Enthornung und Kupieren, bedürfen künftig einer einzelbetrieblichen Genehmigung, für die ein Antrag gestellt werden muss.

Sonderinfo für Biobetriebe

„Diese Woche erhalten rund 18.000 tierhaltende Biobetriebe ein Schreiben, in dem das Landwirtschafts- und das Gesundheitsministerium, die Landwirtschaftskammer Österreich und Bio Austria über die genannten Änderungen informieren. Die weiteren detaillierten Anforderungen an die künftige Weidehaltung für Biobetriebe werden aktuell mit der Europäischen Kommission geklärt. Sobald weitere konkrete Fakten vorliegen, werden wir die betroffenen Betriebe umgehend in Kenntnis setzen. Bis Jahresende wird über alle Änderungen bestmöglich informiert“, erläuterte Adi Marksteiner, Abteilungsleiter Tierische Erzeugnisse in der LK Österreich.

Rechtzeitig in ÖPUL-Maßnahme „Tierschutz – Weide“ einsteigen

Den tierhaltenden Biobetrieben wird empfohlen, bis spätestens 16. Dezember 2019 in die ÖPUL-Maßnahme „Tierschutz – Weide“ einzusteigen, weil diese eine Leistungsabgeltung für die Weidehaltung für das Jahr 2020 und darüber hinaus ermöglicht. „Bedenken Sie, dass für jede Tierkategorie eine gesonderte Beantragung notwendig ist. Ein allfälliger Ausstieg aus zu viel beantragten Weide-Kategorien ist bis spätestens zum Beginn der Weidesaison noch sanktionslos möglich“, so der LK-Experte an die Adresse der Biobauern.

Für die Biobetriebe seien die Anpassungen an die neuen Rahmenbedingungen aufgrund der Kurzfristigkeit durchaus herausfordernd. Es wäre daher notwendig, dass in den noch offenen Fragen bald Klarheit herrscht, betonte Thomas Fertl von Bio Austria. Um die Betriebe bei der Umsetzung der geänderten Anforderungen möglichst gut zu unterstützen, bieten die Landwirtschaftskammern und Bio Austria ein umfassendes Beratungsangebot. Weitere Informationen zu den Bedingungen der Maßnahme „Tierschutz – Weide“ sind hier zu finden. (aiz)